Home/Nachlese/Rezensionen


Rezensionen

Die nachstehenden Buchbesprechungen stammen aus unseren News:

supervision. Mensch Arbeit Organisation. Die Zeitschrift für Berater/innen Redaktion: www.zeitschriftsupervision. de Beltz-Verlag, Weinheim. 4 Hefte jährlich € 42 zzgl. Porto; Einzelheft € 12,50 zzgl. Porto
 

Der 75. Geburtstag des ÖVS-Mitglieds und Supervisions-Lehrtrainers Dr. Winfried Münch war der Redaktion der Zeitschrift „super - vision“ Anlass für ein eigens ihm gewidmetes Heft. Für die news-Redaktion ist es willkommene Gelegenheit zu gratulieren und wieder einmal auf die Zeitschrift selbst hinzuweisen. 1982 erschien das erste Heft dieser Zeitschrift mit dem Thema „Verstehen in der Supervision“. Was auf den ersten Blick altmodisch anmuten mag, erweist sich im vertiefenden Blick als erfreulich erfrischend: „Verstehen“ ist eine jener grund legenden Dimensionen in unserer super visorischen Arbeit, die das Dazwischen, das Beziehungsgeschehen, die Initiation von Entwicklung anrührt und umfasst. Dass dies, worum es geht – das oft noch unsichtbar oder unscharf Gebliebene – von allen Beteiligten erst einmal gesucht, erforscht werden muss und schließlich darüber um Verständigung gerungen wird. Den Momenten, in denen dann „Verstehen“ erfahren wird, liegen wohl jene Tiefe und Fülle inne, die Supervision grundlegend und in besonderer Weise aus machen. Eine Lehrsupervisandin hat dies neulich so ausgedrückt: „gut bei sich und bei anderen sein zu können“. Verantwortlich für die jüngste Ausgabe zeichnen Cornelia Edding und Wolfgang Weigand, weitere Beiträge über Verstehen und Nichtverstehen stammen von Karlheinz Geißler, Jutta Menschik-Bendele und Winfried Münch selbst. Winfried Münch war und ist jahrelang auch Mit-Herausgeber der Zeitschrift „supervision“ und Verfasser zahlreicher, immer lesenswerter Beiträge: herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Peter Schwarzenbacher (News 2/2011)


Coaching und Systemische Supervision mit Herz, Hand und Verstand Handlungsorientiert arbeiten, Systeme aufbauen. Klaus Theuretzbacher, Peter Nemetschek Klett-Cotta Verlag, 2009, 280 Seiten, ca. € 25,95
 

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen geht, geschätzte Kollegen und Kolleginnen. Für mich persönlich ist es nicht sehr erbaulich, sich methodische Anleitungen aus Fachbüchern zu erarbeiten, manchmal jedoch notwendig. Mit diesem Buch verhält es sich jedoch anders. Liest man es, fühlt man sich professionell von erfahrenen und langjährigen Praktikern angeleitet. Nicht nur die reichhaltige Bebilderung sondern auch die praktische Darstellung der unterschiedlichsten Anwendungen machen es einem leicht, die vielfältigen Facetten dieser Methode gut nachzuvollziehen und sie in der eigenen Praxis anzuwenden. Der erste Teil des Buches widmet sich den Grundlagen der Time-Line Arbeit und ihrer Anwendung. Die Vorteile von metaphorischem, darstellendem bzw. analogem Arbeiten werden hier dargestellt. Der zweite Teil stellt unterschiedlichste Anwendungsmöglichkeiten im Coaching dar. Dem Aufbau von Systemlandschaften und der Ressourcenarbeit wird außerdem hier im Detail anhand von Praxisbeispielen Platz geboten. Der dritte Teil widmet sich verschiedenen Herangehensweisen in Team-, Fall- und Einzelsettings. Ursprünglich entwickelte Peter Nemetschek das „Lebensflussmodell“. in der systemischen Familientherapie. Später modifizierte er dieses für die Supervision und das Coaching, es entstand die Time-Line Arbeit. Time-Line Arbeit ist lustvolles analoges Arbeiten, bei der es stets darum geht, dass die KlientInnen zu einer konstruktiven Haltung gelangen, aus der eine Bewegung hin zu Lösungen möglich ist.

Ursula Kürmayr (News 2/2011)


Organisation und Beratung. Beiträge der AG Organisationspädagogik. Michael Göhlich, Susanne M. Weber, Wolfgang Seitter, Timm C. Feld (Hrsg.) VS Verlag, 2010, Wiesbaden, 332 Seiten, ca. € 29,95
 

Das Buch ist eine Sammlung von Beiträgen einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Organisationspädagogik. Das bedeutet, die einzelnen Kapitel sind selten länger als 10 Seiten und in den Referaten zu Schwerpunktthemen wie zum Beispiel „Organisationsinterne Beratung“, „Externe Beratung von Organisation“ oder „Beratungsorganisation“ zusammengefasst. Dabei sind einzelne Artikel auch für Nicht - pädagogen interessant und anregend zu lesen. Manche Artikel wirken etwas zu kurz geraten. Die sehr solide differenzierte Aufbereitung der Problemsicht oder der Ausgangssituation nimmt schon mal dreiviertel des Gesamtartikels ein, sodass es dann, wenn es spannend wird, schon wieder aufhört. Als Einstiegslektüre für Supervisoren, die sich für Organisationsberatung interessieren, empfiehlt es sich nur, wenn man selbst einen pädagogischen Ursprungsberuf erlernt hat oder in pädagogischen Einrichtungen (das sind in diesem Fall auch betriebsinterne Ausund Weiterbildungsabteilungen) supervidiert. Liest man das Buch als Selbstbeschreibung einer Arbeitsgruppe von Erziehungswissenschaftern, die ihr eigenes Schaffen im Kontext einer Organisation systemisch reflektiert, ist das Buch unbedingt empfehlenswert.

Andreas Heindl (News 2/2011)


Reflexiv-strategische Beratung. Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen professionell begleiten. Erhard Tietel, Roland Kunkel (Hrsg.) VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2011. 227 Seiten, ca. € 29,95
 

Rascher Wandel, schwer vorhersehbare Probleme, komplexe Konflikte, widersprüchliche Erwartungen, ehrgeizige Ambitionen und wenig Zeit, all diese und andere Herausforderungen der Arbeitsgesellschaft angemessen zu bewältigen, rufen geradezu nach professioneller Beratung für betriebliche und überbetriebliche Interessenvertretungen. Das Buch ist ein doppeltes Angebot: professionellen BeraterInnen in der Analyse von Beratungsprozessen wichtige Fragestellungen aus der Arbeitswelt von BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen näher zu bringen und zugleich den gewerkschaftlichen AkteurInnen aus professioneller Sicht zu erläutern, wie reflexivstrategische Beratung arbeitet, was sie leisten kann und wo ihre Grenzen liegen. Die Entwicklung geht von der Fach- und Prozessberatung zur ganzheitlichen reflexivstrategischen Beratung, die unterschiedlich auf die einzelnen Menschen, Gruppen, Organisationseinheiten oder ganze Organisationen fokussiert. Dass Reflexion das Individuum und die Gruppe gegenüber der Organisation stärke, stelle allerdings traditionelle gewerkschaftliche Werte und Muster in Frage. Dazu brauche es auch Balance zwischen Reflexivität und Strategie. Wie das geht, erläutern die Beispiele: Themen sind z.B die Erwartungen, Zuschreibungen und Befürchtungen beim Beginn, der Neutralitätsanspruch, die Spannungen und Chancen für BetriebsrätInnen im Beziehungsdreieck Belegschaft-Geschäftsführung- Gewerkschaft, Wertekonflikte im Einzelund Gruppencoaching sowie Lernen auf der Sach- und auf der Gefühlsebene. Das Buch kann BetriebsrätInnen, GewerkschafterInnen und professionelle BeraterInnen ermutigen, Beratung engagierter und mit mehr Risiko - bereitschaft zu gestalten.

Gerald Musger (News 2/2011


Beratung mit Hirn. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis von Supervision und Coaching. Wolfgang Knopf, Ingrid Walther (Hg.). facultas.wuv 2010, 272 Seiten, ca. € 29,90
 

Wolfgang Knopf und Ingrid Walther haben sich als HerausgeberIn mit ihrem jüngst veröffentlichten Buch „Beratung mit Hirn“ einer interessanten Herausforderung gestellt. Sie haben neurowissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis von Supervision und Coaching zusammengetragen, indem sie renommierte AutorInnen aus der Hirnforschung wie Jörg Baur, Gerald Hüther, Barbara Guwak, Claus Lamm, Hansueli Weber gewinnen konnten, ebenso wie ausgewiesene SupervisorInnen, die diesen Weg für die Praxis gegangen sind (Erika Bergner, Werner Vogelauer, Siegried Tatschl, Heinz Strauß, Rolf Brüderlin, Beatrice Conrad, Bernhard Jacob, Heinz Wyssling, Mandana Kerschbaumer und René Reichel). Die Grundfrage des Buches lautet: Wie können Beratende, also SupervisorInnen und Coaches, von den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung profitieren? Was sollten sie darüber wissen? Eine Vielzahl von interessanten Beiträgen versucht darauf eine Antwort zu geben. Zuerst einmal sind wir durch die „interdisziplinäre Ausstrahlungskraft“ (Baur) der Erkenntnisse der Neurobiologie beindruckt. Ohne Wenn und Aber, die Neurobiologie leistet einen bedeutsamen Beitrag. Und auch die ausgewählten Beiträge (zum Teil als Interview gestaltet) sind für die Beratenden brillant und lesenswert. Sie bieten eine hervorragende Einführung in die Gehirnforschung. Denn eine Vielzahl von Erkenntnissen, wie beispielsweise die Neuroplastizität oder das Wissen um die Neuformierung von Synapsen, sind in der medizinischen und therapeutischen Behandlung (SchlaganfallpatientInnen, Kriegstraumatisierung, extreme Stresssituationen) wie auch in der Lernforschung nicht mehr wegzudenken. So wie die Ökonomisierung in alle human-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen Einzug gehalten hat, werden nun neue Begriffe in den Mittelpunkt der Analysen gestellt (Spiegelneuronen, Amygdala, Neurotransmitter u.a.). Nur einzelne Beiträge werden dem Anspruch nicht ganz so gerecht, da sie sich eher auf dem Feld der bekannten Beratungsinstrumente bewegen. Gerne hätten wir mehr von der neurophysiologischen Wirkung des Duftes der Mandarine erfahren, wenngleich die Arbeit mit Metaphern ein wertvolles und nicht weg zudenkendes Moment in der Beratung ist. Als RezensentIn fragen wir uns bereits heute interessiert, wie der Diskurs zu dieser Thematik in fünf Jahren aussehen wird. Fazit: Es ist ein absolut lesenswertes Buch. Es leistet einen bedeutsamen Beitrag, indem neue Diskurse angeregt werden. Kritisch sei grundsätzlich anzumerken: Viele Themen werden unter ein neues Postulat gestellt, gleichwohl wir in letzter Konsequenz nicht wissen, ob wir damit das Leib-Seele-Rätsel tatsächlich verstehen können. Die Hirnforschung leistet einen wichtigen Beitrag, gar keine Frage. Sie ist, wie andere Disziplinen auch, unabdingbar, aber ob sie eine Leitdisziplin in den Diskursen von Supervision und Coaching werden sollte, bleibt eine offene zu diskutierende Frage. Sie sollte unterstützen und als eine Art von Orientierungshilfe dienen, wie die Ergebnisse anderer Disziplinen auch. Sie beantwortet aber nicht die Frage nach den Macht- und Herrschaftsverhältnissen wie auch den massiv zunehmenden psychischen Erkrankungen in unserer globalisierten Arbeitswelt, die unsere KlientInnen oftmals zum Thema machen. Diese sind nicht mit den Ergebnissen der Hirnforschung zu erklären, dafür müssen wirtschaftswissenschaftliche und gesellschaftspolitische Erkenntnisse unserer Systeme herangezogen werden. Sorgsam sollten wir in der Praxis des - halb darauf achten, dass unsere KlientInnen nicht wie „Zitronen ausgepresst“ werden, so Gerald Hüther (63), nur damit sie im Wettbewerb und dem weiter zunehmenden Leistungsdruck noch besser funktionieren. Diesem Resümee möchten wir uns anschließen. Im Verständnis des Verstehens haben der/die HerausgeberIn und die AutorInnen mit den sehr unterschiedlich zusammengestellten Beiträgen die Komplexität erweitert, und dafür ist den beiden Heraus gebern zu danken.

Michael Doerk, Marlies W. Fröse (News 1/2011)


Burnout und Prävention. Ein Lesebuch für Ärzte, Pfleger und Therapeuten. Ratheiser K.M., Menschik-Bendele J., Krainz E.E., Burger M. Springer Verlag, 2011. 315 Seiten, ca. € 29,95
 

Das Wichtige zuerst: Dieses ganz neue Buch ist sehr zu empfehlen. Besonders für Super - visorInnen und Coaches, die mit Kranken - häusern und anderen medizinischen Arbeits - feldern zu tun haben, ist es ein großer Gewinn. Warum? Gibt es nicht schon genug zum Thema Burnout? Prinzipiell ja, aber hier ist ein wirklich innovativer Schritt gelungen. Das Wort Lesebuch im Untertitel soll zum Ausdruck bringen, dass hier vier völlig verschiedene Herangehensweisen zu einem gemeinsamen Themenfeld kombiniert worden sind: Im ersten Beitrag stellt Jutta Menschik-Bendele auf 30 Seiten zentrale Grundlagen und Forschungs - ergebnisse zum Burnout in ihrer immer angenehm lesbaren Sprache vor. Anschließend plaudert und philosophiert Michael Burger aus seiner reichen Praxis: Zahlreiche Episoden stellen tägliche Realitäten in Krankenhäusern anschaulich dar, ich sehe viele ÄrztInnen vor mir, die beim Lesen dieses Beitrags aus dem zustimmenden Nicken nicht herauskommen. Im dritten Beitrag fasst Ewald Krainz die zentralen Erkenntnisse aus Gruppen- und Organisationsdynamik wie für ein Skriptum zusammen; nichts wesentlich Neues, aber so übersichtlich findet man das sonst nicht. Der Bezug zum Thema Burnout und medizinische Arbeitswelt ist hier allerdings etwas zu kurz gekommen. Im letzten großen Beitrag sprengt Klaus Michael Ratheiser jede literarische Vorgabe: Eine sehr persönliche und assoziative Wanderung durch das Krankwerden und sich Heilen von Ärzten mit den Mitteln der Poesie, der Meditation, der Anekdote, der Reflexion. Nicht zuletzt ist dieses Buch ein überzeugendes Plädoyer für die Sinnhaftigkeit von Supervision und Coaching in der medizinischen Arbeitswelt.

René Reichel (News 1/2011)


Organisationsentwicklung Prinzipien und Strategien von Veränderungsprozessen. Christiane Schiersmann und Heinz-Ulrich Thiel. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2. Auflage 2010. 462 Seiten, ca. € 29,95
 

Es gibt Bücher, bei denen man sich wundert, dass sie überhaupt geschrieben werden und es gibt Bücher bei denen man sich fragt, warum sie nicht schon längst geschrieben worden sind. Das Buch von Christiane Schiersmann und Heinz-Ulrich Thiel gehört zur zweiten Kategorie. Der Autorin und dem Autor ist es gelungen, mit diesem Buch ein Lehrbuch zur Organisationsentwicklung zu verfassen, das dieses Attribut wirklich verdient. Es ist inhaltlich gut zusammen - gestellt, verständlich geschrieben und mit 462 Seiten vom Umfang angemessen. Neben einem Kapitel über die Rahmenbedingungen einer OE, also zu Auftragsklärung, Aufbaustruktur und Prozessarchitektur, gehen sie auf die Wirkprinzipien von OE ein. Sie führen danach einzelne Szenarien aus. Seien es Startworkshops, Teamentwicklung, Prozessmanagement, Wissensorganisation, Strategie usw. Sie vermitteln Praxisbezug, ohne rezepthaft zu wirken und sie bieten dazu passende Hintergrundinformation und Theoriebezüge. Es ist verständlich und klug geschrieben. Die Übungen sind gut erklärt und helfen die Ausführungen besser zu verstehen. Man könnte das Buch nehmen und daraus ein Curriculum entwickeln. Die Literaturangaben in den einzelnen Kapiteln eröffnen die Möglichkeit einzelne Themen zu vertiefen. Die verwendete Literatur ist aktuell und sehr gut ausgewählt. Sehr hilfreich sind die Literaturempfehlungen am Ende der Kapitel. Diese kommentierten Empfehlungen erleichtern das weiterführende Selbststudium. Das Buch wird dem eigenen Anspruch, einen Beitrag zur Professionalisierung dieses Beratungsfeldes zu leisten mehr als gerecht.

Andreas Heindl (News 1/2011)


Supervisions-Tools. Die Methodenvielfalt der Supervision in 55 Beiträgen renommierter Supervisorinnen und Supervisoren. Heide Neumann-Wirsig (Hrsg.). Verlag managerSeminare, 2009. 336 Seiten, ca. € 49,90
 

Die vorliegende Kombilation „Supervisions- Tools“ ist ein mit 55 Beiträgen von Super - visionskolleginnen und -kollegen des deutschen Sprachraumes sorgfältig verfasstes Buch mit gut nachvollziehbaren Anleitungen. Die AutorInnen erklären detailreich, welche Methode für welche Phase und mit welcher Themenstellung geeignet ist. AutorInnen wie Astrid Schreyögg, Harald Pühl, Erika Lüthi und viele mehr weisen auf die Kompetenzen, die SupervisorInnen für die erläuterte Methode mitbringen müssen, hin und worauf es besonders zu achten gilt. Es ist damit ein Buch, das man wohl stets aufs Neue zu aktuellen Fragestellungen zur Hand nehmen kann. Insgesamt ist das Buch für die super - visorische Praxis gut geeignet, stellt es doch viele Tools zur Verfügung und schafft auch Platz für Weiterentwicklung der Methoden. Schade nur, dass die Kreativität, die im Umgang mit supervisorischen Fragestellungen deutlich zum Vorschein kommt, anscheinend nicht mehr dazu gereicht hat, einen kreativen Umgang mit gendersensibler Schreibweise zu finden. Da ist schon wieder nur von Supervisoren und Supervisanden die Rede. Ärgerlich.

Katrin Pollinger
(News 3/2010)


Supervision und Mediation in der Sozialen Arbeit. Eine Studie zur Klärung von Mitarbeiterkonflikten. Angelika Iser. Dgvt Verlag, 2008. 495 Seiten, ca. € 38,00

 

Der, in der Buchreihe „Beratung“ der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie, herausgegebene Band, ist die Dissertation von Angelika Iser in überarbeiteter Form. Die Autorin versucht die beiden Beratungskonzepte Supervision und Mediation anhand der Mitarbeiterkonflikte im Bereich der Sozialen Arbeit auf ihre Unterschiedlichkeiten bzw. Gemeinsamkeiten zu überprüfen. In äußerst gründlicher, wissenschaftlich anspruchsvoller Art setzt sich die Autorin zunächst mit den inhaltlichen Definitionen der jeweiligen Begriffe auseinander, wobei professionstheoretische Überlegungen sehr ausführlich erörtert werden. Dem theoretischen Diskurs folgt eine empirische Untersuchung in Form von acht Interviews mit ausgesuchten ExpertInnen aus dem Bereich der Supervision und/oder Mediation. Den Abschluss bildet ein direkter Vergleich der beiden Beratungsformen in Hinblick auf die Professionalität und Qualitätsentwicklung Sozialer Arbeit. Der Titel des Buches machte mich neugierig: Als langjährige Supervisorin im Berufsfeld der Sozialen Arbeit hatte und habe ich ja ständig mit MitarbeiterInnen Konflikten zu tun. Es war mir – obwohl ich mich mit Mediation beschäftigt habe – nie ganz klar, inwieweit ich als Mediatorin, sowohl theoretisch wie auch praktisch, mit Konflikten anders umgehen würde. Nach der zugegebenermaßen teilweise anstrengenden Lektüre des fast 500 Seiten starken Buches, habe ich eine für mich befriedigende Antwort erhalten.

Irmela Schön
(News 3/2010)


Die 100 besten Coaching-Übungen. Das große Workbook für Einsteiger und Profis zur Entwicklung der eigenen Coaching-Fähigkeiten. Martin Wehrle. Verlag managerSeminare, 2010. 368 Seiten, ca. € 49,90
 

Mit diesem Buch richtet sich der Autor vor allem an Personen, die sich mit Coaching- Techniken vertraut machen wollen. Aber er liefert nicht einfach ein Methodenhandbuch, sondern stellt zuerst die jeweiligen Methoden als Übung für die angehenden Coaches dar, d.h. man wird sofort zum Mittun eingeladen, um erst dann die Methoden in teilweiser adaptierter Form für die Arbeit mit KlientInnen nutzbar zu machen. Dadurch können die LeserInnen, ähnlich wie in einem Ausbildungssetting – nur gibt es leider niemanden, der einem Feedback gibt – ihre Coaching- Techniken aufbauen und erweitern. Die Methoden, die vorwiegend aus dem systemischen und NLP-Ansatz kommen, sind stringent aufgebaut und umfassen u.a. die Bereiche KlientInnenbild, Werte, Kommunikation, Visions- und Ressourcenarbeit, etc. Im letzten Kapitel werden, quasi zum Drüberstreuen, noch Beratungsfälle vorgestellt, bei denen die LeserInnen zum Abrunden und Vertiefen ihrer durch das Durcharbeiten des Buches erlangten Fähigkeiten nochmals (leider nur fiktiv, aber sehr lehrreich) anwenden können. Ein gelungenes Buch, das hilft Kompetenzen als Coach aufzubauen und zu erweitern und auch in der Ausbildung von Coaches und Super - visorInnen bzw. verwandten Beratungsberufen als Ergänzung zu Präsenzseminaren seinen Platz finden wird.

Alfred Fellinger-Fritz
(News 3/2010)


Reise zur Lösung. Coaching-Kompetenz für Beratung, Teamentwicklung, Führung und Lehrtätigkeit. Paul Lahninger. Verlag ManagerSeminare, 2010. 384 Seiten, ca. € 49,90
 

Paul Lahninger stellt in seinem neuesten Buch kompetent, klar strukturiert und sehr verständlich dar, was Coaching ist. Er bietet praktische Hilfestellung indem er unterschiedliche, aber sehr typische Beispiele von Coachingprozessen aufzeigt, Fälle, auf die jede/r Coach im Laufe seines Coachinglebens treffen wird. Beispielhaft zeigt er, wie er mit Fragestellungen und Situationen umgegangen ist und gibt dadurch Anleitung für das eigene Tun. Man findet in diesem Buch Theoretisches aber vor allem Praktisches für die Beratungstätigkeit als Coach. Beim Lesen jedes einzelnen der bisherigen Bücher von Paul Lahninger hat man das Gefühl, dass er gerne und auch großzügig sein Wissen weitergibt. Mit diesem Buch schließt er sehr gut an die bisherigen an. Das Buch hat das Potenzial ein Grundlagenwerk zu Coaching zu werden.

Alfred Fellinger-Fritz
(News 3/2010)


Einführung in das systemische Coaching 4. Auflage. Sonja Radatz. Carl-Auer Verlag. Heidelberg 2010 123 Seiten. ca. € 12,95
 

Angesichts des boomenden Coaching Marktes und der immer größer werdenden systemischen Beratungsszene ist das Vorhaben, in einem Buch die wesentlichen Grundlagen festzuhalten, nur zu begrüßen. Gleichzeitig ist es fast unmöglich dem Anspruch, eine Einführung in „das“ systemische Coaching zu verfassen, gerecht zu werden, bei dieser Vielfalt an unterschiedlichen Spielarten „systemisch“ zu arbeiten. Wenn man von der Unmöglichkeit, diesem Anspruch gerecht werden zu können ausgeht, wird das Buch zu einem großen Wurf. Gelingt es der Autorin doch wesent - liche Elemente der systemischen Beratung gut gegliedert, kompakt und verständlich auf den Punkt zu bringen. Im ersten Kapitel beschreibt sie die „systemische Haltung“ und die Annahmen und Ansatzpunkte in der systemischen Arbeit. Sie bedient sich dabei der – nicht neuen aber hier passenden – Metapher des gemeinsamen Tanzes für Coaching. Es sieht von außen betrachtet leicht aus und erfordert viele Fähigkeiten und Übung, um diese Leichtigkeit zu erhalten. In diesem Sinn werden in den folgenden sieben Kapiteln die wesentlichen Herangehensweisen vorgestellt. Sie führt in die systemische Fragestellung ein, erklärt den Ablauf systemischen Coachings, reflektiert unterschiedliche Verhaltensweisen des Coachees im Coachinggespräch, stellt wesentliche Coachinginstrumente und deren Anwendung vor und verweist auf den Einsatz von Coachingtechniken in speziellen Situationen. Die Autorin sieht ihre Wurzeln bei Heinz von Foerster, Steve de Shazer und Insoo Kim Berg sowie bei Gunter Schmidt und Fritz B. Simon und offenbart sich in diesem Band mit einem breiten lösungsorientierten Coachingverständnis. Die 120 Seiten sind trotz der Inhaltsdichte verständlich und gut zu lesen. Das Buch empfiehlt sich als Überblick für Einsteiger und als gelungene strukturierte Zusammenfassung für Erfahrene.

Andreas Heindl (News 3/2010)


Coaching für die neu ernannte Führungskraft 2. Auflage. Astrid Schreyögg. VS Verlag, Reihe Coaching und Supervision. Wiesbaden 2010. 284 Seiten. ca. € 49,95
 

Im ersten Teil dieses Buches in zweiter Auflage gibt die Autorin eine Einführung in den Begriff Coaching, in Führung und Organisation (auch im internationalen Kontext), um dann im zweiten Teil mittels ausführlichen Falldarstellungen sieben unterschiedliche Situationen von neu ernannten Führungskräften zu beschreiben: Einflüsse nach Rekrutierungsart, Einflüsse durch die Situation des Vorgängers, durch den innerorganisatorischen Auftrag, durch formale Konstituenten der Organisation, durch den Organisationstyp, durch Frau-Mann-Konstellationen, durch den internationalen Rahmen. Nicht immer ist jedoch der primäre Zusammenhang zur Situation „neu ernannte Führungskraft“ herzustellen. Vielmehr handelt es sich um in Organisationen häufig auftretende Situationen, die im Zusammenhang von „neu ernannten Führungskräften“ wohl besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, aber auch für „alte“ Führungskräfte eine Herausforderung darstellen und ein Coaching anraten. Dennoch scheint dieser Teil das Besondere dieses Buches zu sein: eine aus dem Organisationsalltag heraus entwickelte und differenzierte Typologie von Situationen, in denen sich Führungskräfte wiederfinden können, die bedingenden Faktoren dazu und mögliche Ansatzpunkte für Coaching. Im dritten Teil des Buches stellt die Autorin ein nach Themenkreise sortiertes Programm mit Leitfäden und Checklisten für das Coaching von neu ernannten Führungskräften für die ersten 100 Tage zur Verfügung. Aber auch dieser Teil eignet sich zur erweiterten Anwendung: Coaching für Führungskräfte, die das erste Mal Coaching in Anspruch nehmen - wohl der insgeheime Titel dieses praxisbezogenen Buches.

Peter Schwarzenbacher
(News 2/2010)


Einführung in die systemische Supervision Andrea Ebbecke-Nohlen. Carl Auer Verlag. Heidelberg 2009. 126 Seiten. ca. € 12,95
 

Das Buch versteht sich als kompakte und praxisbezogene Einführung in die systemische Supervision. Und das Buch hält, was es verspricht. Es ist kompakt und anhand konkreter Fallbeschreibungen wird die praktische Anwendung sichtbar. Nach einer grundsätzlichen Einführung, was Supervision überhaupt und das Besondere an systemischer Supervision ist, werden die theoretischen Wurzeln sowie die Methoden und Haltungen der systemischen Supervision dargestellt und reflektiert. Die einzelnen Kapitel führen zum Thema hin, gehen aber nicht in die Tiefe. So entsteht ein schillerndes Kaleidoskop an Theorien und Schlüsselwerken der systemischen Beratungsliteratur mit dem Fokus auf Supervision, das durchaus Neugier weckt und Lust auf Vertiefung macht. Diese Vertiefung wird aber nicht immer leicht gemacht. Zwar gibt es Hinweise auf die Quellen, aber aus mir unverständlichen Gründen hat die Autorin, die in ihrer Profession als Psychotherapeutin auch als Supervisorin tätig ist, kein einziges Mal auf die Seiten der angeführten Literatur verwiesen. Dies könnte auch als Einladung verstanden werden, die Schlüsselwerke der systemischen Beratung selbst zu lesen. Was sich auf jeden Fall lohnt und darauf macht das Buch Lust. Insofern ist es als Einführung durchaus geeignet. Worin sich allerdings „systemische Supervision“ von „Supervision“ unterscheidet, erschließt sich bei der Lektüre nicht. Das ist beruhigend und auch wenig verwunderlich, hat sich die Supervision doch ohnehin immer schon an den im Buch erwähnten systemischen Schlüsselwerken genährt. Dies in Erinnerung zu rufen, ist – wenn auch nicht beabsichtigt – auch ein Verdienst dieses Buches.

Andreas Heindl
(News 2/2010)


Methodenintegrative Supervision. Ein Leitfaden für Ausbildung und Praxis lbrecht Boeckh. Klett-Cotta Verlag. Stuttgart 2008. 285 Seiten. ca. € 26,00
 

Der Autor gibt mit diesem Buch ein eindeutiges Plädoyer für einen methodenintegrativen Ansatz in der Supervision ab und versucht dies, gut nachvollziehbar, zu begründen. Im ersten Kapitel lädt er die LeserInnen zu einem Spaziergang durch die Grundlagen der Supervision, und streift dabei auch die Themen Organisation, Team, Konflikt und die Bedeutung von Beziehung in der Supervision. Dabei verweist er auf wichtige Modelle und Theorien, auf die SupervisorInnen in ihrer Arbeit Bezug nehmen, um damit auch die ersten Anknüpfungspunkte zu schaffen, warum unterschiedliche Ansätze und Methoden in der Supervision nicht nur sinnvoll sondern auch notwendig sind. Im zweiten Kapitel stellt der Autor gut zusammengefasst spezielle Methoden aus psychotherapeutischen Verfahren (Psychoanalyse, systemischer Ansatz, Gestalt, Psychodrama, Emotion Focused Therapy und Transaktionsanalyse) und ihre Integration in die Supervision dar. Was der Autor nicht schafft, und wahrscheinlich auch nicht beabsichtigt hat, daraus einen (eigenen) integrativen Supervisionsansatz zu entwickeln. Es bleibt mehr beim Nebeneinanderstellen von Methoden aus einzelnen Ansätzen, die bei Bedarf sinnhaft auszuwählen und einzusetzen sind (daher auch der passende Titel methodenintegrative Supervision) und die sich von der Grundhaltung her nicht widersprechen, sondern alle der humanistischen Psychologie zuzuordnen sind.

Alfred Fellinger-Fritz
(News 2/2010)


Veränderung verändern: Das Relationale Veränderungsmanagement Sonja Radatz. Verlag systemisches Management. Wien 2009. 389 Seiten. ca. € 38,80
 

Sonja Radatz stellt ihre neue Schule des Veränderungsmanagements vor, die sich durch eine klare wirtschaftlich-erfolgsorientierte Gestaltung auszeichnen möchte. Radatz erteilt allen anderen Veränderungsansätzen eine eindeutige Absage. Ihrer Meinung nach spiegeln diese weder Selbstverantwortung, Entrepreneurship, Commitment, noch Innovation oder Kreativität. Aha, alle bisherigen Veränderungsprozesse bringen keine zufriedenstellenden Ergebnisse? Diese Behauptung erscheint doch sehr kühn. Die sogenannte „vierte Schule der Veränderung“ umfasst 10 Punkte, unter anderem Prozessklarheit oder Verzicht auf Vergangenheitsfokus. Nach Ansicht der Autorin können damit Probleme, welche die „alten“ Schulen der Veränderung (sie meint Change Management, Transformationsmanagement, systemischer OE-Ansatz) geschaffen haben sollen, gelöst werden. Sonja Radatz richtet sich mit diesem Buch an Unternehmen, welche die Welt verändern und einzigartig sein wollen. Neben einer Abgrenzung und einer detaillierten Ausführung des relationalen Veränderungsmanagements bietet dieses Buch eine Fülle an Instrumenten, Designs und Architekturbeispielen für Veränderungsprozesse. Hier liegt eine deutliche Stärke des Werkes. Auch Ausführungen wie das klare Bekenntnis zu Entscheidungen in Form von Festlegungen des Rahmens durch die Verantwortlichen und die Ausgestaltung des Bildes durch die Mitglieder des Teams/Unternehmens bestechen durch die Eindeutigkeit. Die Ansätze sind inhaltlich gut nachvollziehbar, aber nicht völlig neu. Und lassen die Irritationen ob der kühnen Behauptungen zu Beginn des Buches auch fast vergessen. Aber eben nur fast.

Bettina Strümpf
(News 2/2010)


Life Coaching. Über Sinn, Glück und Verantwortung in der Arbeit. Ferdinand Buer & Christoph Schmidt-Lellek. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 2008. 388 Seiten. ca. € 39,90
 

Die Autoren wählen einen interessanten und bislang eher unüblichen Zugang zur Thematik der professionsbezogenen Beratung. „Mit diesem Vorhaben sind wir ein Risiko eingegangen (..)“ wie die beiden selbst in der Einleitung schreiben (S.14). Ihr Vorhaben ist der Versuch, die Dimensionen von Sinn, Glück und Verantwortung in die Diskussion einzubringen. Es gebührt ihnen Dank sowohl für den Mut, sich an ein solches Projekt zu wagen als auch für die konsequente und klare Aufbereitung der Thematik. Jeder der Dimensionen ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das psychologische und philosophische Diskussionsstränge und Gedankengebäude vorstellt. Zusätzlich enthält das Buch mehrere Praxisbeispiele unterschiedlicher AutorInnen, die sich mit den genannten Thematiken auseinandersetzen. Die umfangreichen Literaturverweise machen das Buch zusätzlich zu einer Fundgrube. Ein Wermutstropfen ist allerdings der Titel des Buches, da dieser mißbräuchlichen und spekulativen Verwendungen Tür und Tor öffnet. Im Sinne der derzeitigen Professionalisierungsbemühungen des Formates Coaching ist das ein Schuss nach hinten. Zumal die verschiedenen Schulen, derer sich die Beratungsformate im Sinne des theoretischen Unterbaus und in Bezug auf Methoden bedienen, ohnehin die Integration der Dimensionen Sinn, Glück und Verantwortung erlauben und den Fokus auf den Menschen in der Ganzheit seiner Lebensbezüge richten. Als Beispiel sei das im Buch mit einem Praxisbeispiel angeführte Psychodrama genannt. Ein eigenes Format des Life-Coachings ist da überflüssig und trägt nur zur Verwirrung und Etablierung unseriöser Angebote bei. Denn eines sollte klar sein, wenn professionsbezogene Beratung das Thema ist: Fokus bleibt der Mensch in Bezug auf seine Profession, auch wenn inhaltlich Dimensionen wie Sinn oder Verantwortung reflektiert werden.

Gerhard Liska
(News 1/2010)


Triadische Karriereberatung. Die Begleitung von Professionals, Führungskräften und Selbständigen. Kornelia Rappe-Giesecke. EHP. Köln 2008. 339 Seiten. ca. € 35,50
 

Kornelia Rappe-Giesecke hat mit diesem Buch ein weiteres Standardwerk geschaffen. Neben Supervision und Coaching etabliert sie Karriereberatung als gleichwertige Disziplin. In der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Beratungsformen entfächert sich ein Grundlagenwerk zu berufsbezogener Beratung. Das von Rappe-Giesecke hier eingeführte triadische Denken erweist sich dabei als sehr hilfreich. Nicht nur, dass es das Sortieren der Gedanken fördert, es erleichtert die Orientierung und verdeutlicht die Konsequenzen der Priorisierung. Was sich bei Karriereberatung als sehr nützlich erweist. Wie auch in ihren früheren Büchern ist es Rappe- Giesecke gelungen das Themenfeld klar zu strukturieren und theoretisch tiefgehend zu diskutieren. Anhand praktischer Beispiele wird sichtbar, wie hilfreich und funktionell ihre Arbeitsweise ist. Unvoreingenommen und genau gibt sie Einblick in ihre über Jahre gesammelten Gedanken, Erfahrungen und Werkzeuge und verweist konsequent auf die Quellen. Das erleichtert es, die Überlegungen nachzuvollziehen, sich die Methoden zu erarbeiten und weiter zu entwickeln. Das Buch ist jenen empfohlen, die im Rahmen ihrer Supervisions- und Coachingpraxis mit Führungskräften und Selbständigen arbeiten, die sich beruflich neu positionieren möchten oder müssen. Trotz des wissenschaftlichen Anspruches, dem dieses Buch gerecht wird – immerhin ist es die überarbeitete Fassung ihrer Habilitationsschrift – ist es gut zu lesen und toll zum vertiefenden Arbeiten.

Andreas Heindl
(News 1/2010)

 

Coachingwissen. Denn sie wissen nicht, was sie tun? Bernd Birgmeier (Hrsg). VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2009. 420 Seiten. ca. € 39,90
 

Der vorliegende Sammelband hat das Ziel „aufzuzeigen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und theoretischen Bezüge zur Identitätsfindung und Qualitätsentwicklung von professionellem Coaching beitragen“ (Klappentext). Wie so oft bei Sammelbänden ist die Qualität der versammelten Beiträge unterschiedlich. Einigen Beiträgen, so Peter Heintel und Martina Ukowitz in ihren Überlegungen zu einer Rahmentheorie oder Gisela Steins in ihren Ausführungen zu einer sozialpsychologischen Perspektive, gelingt es, eine kritische Auseinandersetzung in Bezug auf theoretische Fundierung von Coachingwissen anzuregen. Andere Beiträge hingegen bleiben in ihren Fragestellungen zu punktuell. Dies hinterlässt den Eindruck, dass das Buchprojekt zu breit angelegt ist. Es bleibt das Gefühl, der Autor wollte drei Schritte auf einmal machen. Vielleicht vor dem Hintergrund, dass es auf diesem Feld so lange kaum ernsthafte Bemühungen gab. Insgesamt verdient das Projekt Anerkennung und setzt eine wichtige Markierung in der inhaltlich-theoretischen Auseinandersetzung und in der Fundierung des Beratungsformates Coaching.

Gerhard Liska
(News 1/2010)


Supervision für Gruppen und Teams. 4. aktualisierte Auflage. Kornelia Rappe-Giesecke. Springer. Berlin, Heidelberg, New York 2009. 225 Seiten. ca. € 39,95
 

Mit dieser Neuauflage ist Kornelia Rappe-Giesecke ein Meisterwerk gelungen. Galten die früheren Ausgaben doch bereits als Standard der Supervisions-Ausbildung. Die vierte Auflage erscheint in völlig überarbeitetem Layout. Sie ist jetzt farbig, mit Kästen und Überblicksgrafiken versehen. Der Text wurde überarbeitet und aktualisiert, das erste Kapitel neu geschrieben. Und das hat sich gelohnt. Das triadische Denken, in das Rappe-Giesecke bereits in ihrem Buch Karriereberatung eingeführt hat, wird hier meisterhaft auf Supervision angewandt und schafft damit noch mehr Klarheit. Das Buch liest sich trotz der Informationsdichte flüssig und der modulartige Aufbau fördert das selektive Lesen und ein späteres Nachschlagen. Das Buch empfiehlt sich für alle, die sich für Gruppen und Teamsupervision interessieren, die Supervision anbieten oder es erlernen möchten. Es lohnt sich auch für jene, die bereits eine frühere Ausgabe erworben haben. Abgesehen vom Informationsgehalt und der Leselust, ist es ein Vergnügen zu beobachten, wie sich Supervision auch in der Selbstbeschreibung entwickelt. Es ist ein gelungener Beitrag zur Professionalisierung und Qualitätssicherung eines Berufszweiges. Für dieses Buch gebührt nicht nur der Autorin Kornelia Rappe-Giesecke sondern auch dem Springer Verlag Anerkennung. Diese Ausgabe ist optisch ein Genuss. Die Lektüre dieser Ausgabe macht einfach Spaß. Ein Buch, das in jede Supervisions- und Coaching-Bibliothek gehört.

Andreas Heindl
(News 1/2010)


"Handbuch Alles über Gruppen Theorie, Anwendung, Praxis". Cornelia Edding/Karl Schattenhofer (Hrsg.). Beltz Verlag 2009. 532 Seiten, ca. € 68,–
 

Fragen der Gruppendynamik stellen sich in der Supervision immer wieder neu. Die Zeit war reif für ein Werk, das den aktuellen Stand in Theorie und Praxis widerspiegelt und Anstoß für eine Wiederbelebung gruppendynamischer Diskussionen gibt. Das Handbuch mit dem auf den ersten Blick anmaßenden Titel „Alles“ über Gruppen am Cover, erweist sich sehr bald als eines, das diesem Anspruch sehr wohl gerecht wird. Sicher gibt es nicht erwähnte Detailaspekte, aber in den drei Abschnitten „Grundlegendes – Die Gruppe als Instrument, Hilfsmittel und Methode – Verschiedene Formen der Steuerung“ werden alle relevanten Themen theoretisch wie praktisch beleuchtet. Von einem gelungenen Versuch Grundlegendes knapp und präzis zu präsentieren (Schattenhofer) und von einer kritischen Auseinandersetzung mit der Kleingruppenforschung (Edding) ausgehend, wird die Bedeutung und die Möglichkeiten von Gruppen – auch in ihrer vielfältigen Form – für Veränderungsprozesse individueller wie organisatorischer Art besprochen. Dass wirklich „ALLES“ angedacht wird, belegt ein Exkurs über „Die dunkle Seiten von Gruppen“ von Klaus Antons, der mir besonders ins Auge stach. Es sind viele gute Bücher zum Thema Gruppendynamik erschienen. Zwei ragen für mich aus dieser Vielzahl heraus: Antons Klassiker und dieses hier, das alle Qualitäten eines neuen Klassikers besitzt!

Wolfgang Knopf (News 3/2009)


"Handbuch Supervision und Organisationsberatung, 3. akt. und erw. Auflage". Harald Pühl (Hrsg.). VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009. 431 Seiten. Ca. € 69,90
 

Handbuch, das klingt gewichtig; AutorInnen von Rang und Namen schreiben darin. Supervision arbeitet an der Nahtstelle von Person(en) und Organisation. Ob Coaching oder Supervision – im Einzelsetting, in Teams oder Gruppen – die institutionelle Arbeitsaufgabe, Spannung und Wechselwirkung zwischen den handelnden Personen, dem organisationalen Gefüge, dessen Kommunikationsstrukturen und Regeln stehen im Focus. Organisationsberatung ist weitreichender und arbeitet mit anderen Methoden. Das wird im Handbuch in vielen Facetten dargelegt. Beiträge zur beraterischen Arbeit in Wirtschaft, im Gesundheitsbereich, in Schule, öffentlicher Verwaltung oder in der Kirche zeigen das. Das Buch eignet sich zum Schmökern oder zum Nachschlagen für Grundsätzliches: z. B. im Artikel von Kornelia Rappe-Giesecke „Diagnose in Supervision und Organisationsberatung“, der Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Beratungsformen gut nachvollziehbar aufzeigt.

Anneliese Heilinger
(News 3/2009)


"Systemische Hirngespinste, Impulse für die systemische Theorie und Praxis". Hanswille, Reinert (Hrsg.). Vandenhoeck & Ruprecht 2009, 262 Seiten, ca. € 24,90
 

Dass die Neurowissenschaften erneut versuchen, Vorgänge im Gehirn beschreibbar zu machen, kommt BeraterInnen, TherapeutInnen und PädagogInnen gelegen. Bestätigt ihnen die Gehirnforschung doch einerseits, was sie schon lange wissen und bietet ihnen andererseits ein attraktives Verstehensmodell mehr, wenn es um geistige Vorgänge, um Lernen, Umlernen, Verlernen geht. Die AutorInnen gehen in „Systemische Hirngespinste“ weit über systemische Bezüge hinaus. Es scheint, dass alle Beratungsansätze Teile ihres Selbstverständnisses, ihrer Vorannahmen oder ihrer Interventionsformen in den neurologischen Befunden finden und auch in neuem Licht sehen können. Die Lektüre fordert (fachsprachlich) heraus, bringt Einsichten und Aha-Erlebnisse, befriedigt durch Bestätigung bisheriger Annahmen, lässt neue Zweifel entstehen. Ein wunderbares Hirngespinst, solange man sich nicht vor Augen hält, was man da eigentlich alles aus vermehrter Blutzufuhr zu Gehirnregionen ab- und herauslesen kann. Interessant, welche Wirklichkeit wir damit konstruktivistisch zur Wirklichkeit erheben. Die Buchbeiträge wirken seriös und haben wenig von den reißerischen, platten oder skurrilen Interpretationen, die da und dort zu lesen sind.

Anneliese Heilinger (News 3/09)


"Theorie U, Von der Zukunft her führen: Prescencing als soziale Technik". Claus Otto Scharmer. Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2009. 494 S., ca. € 50,40
 

Theorie-U, von der Zukunft her führen bietet eine Fülle an neuen Betrachtungsweisen, Zugängen und praktischen Werkzeugen für die Arbeit mit sozialen Systemen. Scharmer lotet die tiefere Ebene von Führung und Veränderung aus. Den ersten Teil des Buches widmet er dem blinden Fleck. Im zweiten Teil führt er in die Feldstruktur der Aufmerksamkeit. Er beschreibt, wie man an den inneren Ort gelangt, an die Quelle der Aufmerksamkeit, aus der heraus wir handeln. Im dritten Teil versucht er zu ergründen, wie soziale Systeme an diese Quelle der eigenen Zukunft herankommen und Innovation möglich wird. Scharmer versteht sich dabei als Aktionsforscher, der Wissen entwickelt, das hilfreich ist. Er nimmt dabei nicht die Position eines beobachtenden Wissenschaftlers sondern die einer Führungskraft ein. Dabei setzt er die Gedankenstränge der Konzepte der Prozessberatung von Ed Schein, des Dialogs von Bill Isaacs und der fünften Disziplin von Peter Senge (um nur ein paar Wegbegleiter und Bezugskonzepte zu nennen) fort und scheut sich nicht, in Bereiche vorzudringen, die in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht oder nicht mehr beschrieben werden. Er entwickelt eine Sprache für bisher Nichtbesprechbares. Durch die autobiografischen Erinnerungen und Erfahrungen gewinnt das Buch an Nähe und Dichte. Er richtet sich mit dem Buch an alle, die an Entwicklungsfragen arbeiten, also an Führungskräfte, BeraterInnen, AktionsforscherInnen, OrganisationsentwicklerInnen und an SupervisorInnen. Theorie-U ist ein innovatives, theoretisch fundiertes und umfangreiches Buch über Transformation, das man gerne mit Freude zweimal oder öfter liest, weil es extrem hilfreich ist.

Andreas Heindl
(News 3/09)


"Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin". Kathrin Passig/Sascha Lobo. Rowohlt Verlag 2008, 288 Seiten, ca. € 19,90
 
Ist Schlampigkeit der Schnupfen der Supervision? Genauer: Hat Supervision Mittelchen zu Hand, den Arbeitsalltag vor selbst verursachtem Chaos und Aufschieberitis zu befreien? Oder muss sie nicht – genauso wie Medizin – die Waffen strecken angesichts periodisch auftretenden Unpässlichkeiten und Ausfällen? Dagegen ist wahrlich kein Kraut gewachsen, erklären die AutorInnen Kathrin Passig und Sascha Lobo im vorliegenden Buch und gehen noch einen Schritt weiter: Sie erklären das Dahin-wurschteln, Gedanken-Abschweifen, Unnütz-Zeit- Vergeuden vielmehr zur Norm und nicht zur Ausnahme. Kein Grund zur Beunruhigung also, wenn man Aufträge liegen lässt, immer wieder Mahnspesen bezahlt oder das E-Mail-Konto tagelang nicht mehr öffnet. Denn: irgendwie und irgendwann funktioniert es ja dann doch. Das Prokrastinieren – so der Fachausdruck dafür, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer zu vertagen – ist unterschiedlich ausgeprägt in uns allen verteilt, belegen die AutorInnen mittels vieler wissenschaftlicher Untersuchungen und jeder Menge Humor. Und wo ohnedies keine Besserung in Aussicht ist, da ermutigen sie, das Gute daran zu sehen: Die Wohnung, die blitzt und blankt, die endlich gestrichene Wand, der reparierte Fahrradreifen – während der Computer unberührt im Arbeitszimmer schmollt. Schwächen zeigen sich dort, wo Medikamente (Ritalin) zur Konzentration empfohlen werden, oder flapsig-ideologiefrei die Flat-Tax gepriesen wird. Dennoch: ein unterhaltsames Werk, geschaffen, um sich wieder ein Stück mehr mit sich und der Welt zu versöhnen.

Katrin Pollinger (News 3/09)

"Supervision: Organisation – Arbeit – Ökonomisierung. Zur Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit in der Arbeitswelt". Brigitte Hausinger. Rainer Hampp, München und Mehring, 2008, 206 Seiten, ca. € 19,80
 

Das Buch ist erschienen in der Reihe „Arbeit und Leben im Umbruch“, herausgegeben von Prof. G. Günther Voß. Allein die Tatsache, dass eine Abhandlung über Supervision im Kontext der „subjektorientierten Soziologie“ eine Position einnimmt, macht dieses Buch bemerkenswert. Die Untertitel „Organisation – Arbeit – Ökonomisierung“ leiteten die Überlegungen dieses Buches, welche die Supervision in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext stellen. Bezogen auf die radikalen arbeitsweltlichen Veränderungen zeigt die Theoretikerin und Praktikerin der Supervision, Brigitte Hausinger, das Anforderungsprofil für die heutige Supervision auf. Angesichts der in der Analyse verdeutlichten Einsicht, dass – wenn auch andererseits kritisch in Frage gestellt – Reflexivität eine aktuelle arbeitsweltliche Anforderung ist, bekommt auch Supervision einen gesellschaftlich relevanteren Stellenwert. Untermauert wird diese für alle SupervisorInnen aktuelle Darlegung durch ergänzende Beiträge von Nick Kratzer (Arbeitsforschung ISF München) und Andreas Bergknapp (Personalwesen/ ICO München).

Angela Gotthardt-Lorenz
(News 2/09)


"Diversity in Supervision, Coaching und Beratung". Surur Abdul-Hussain, Samira Baig (Hg.). facultas.wuv, Wien, 2009, 268 Seiten, ca. € 24,90
 

 Diese Buch zu einem wichtigen und brisanten Thema sollte in jedem Fachbuchregal von SupervisorInnen und Coaches stehen und regelmäßig zur Hand genommen werden: um sich zu Diversity aktuell und genau zu informieren, um sich Beratungsansätze auf neue und spannende Weise nutzbar zu machen, um Interventionen im multikulturellen Kontext effektiv einzusetzen und nicht zuletzt um die eigenen Wirklichkeitskonstruktionen wieder einmal gründlich zu hinterfragen. Surur Abdul-Hussain und Samira Baig haben hier einen Band vorgelegt, der durch seine besondere Sorgfalt bei der Auswahl der AutorInnen und in der Gestaltung der Texte besticht und noch dazu einem besonders spannenden Konzept folgt: die einzelnen Beiträge sind nicht nur höchst sinnvoll aufeinander bezogen, sondern verquicken alle in gelungener Weise die – oft sehr anspruchsvolle und doch verständlich dargestellte – Theorie mit praktischen Beispielen und mit Anregungen zu Reflexion und Intervention. Das abschließende Kapitel folgt dieser Logik, indem es unter dem Titel „Diversity reflektiert – Ein TOOL für SupervisorInnen, Coaches und BeraterInnen“ ein feines Instrumentarium zur diversity-sensiblen Reflexion und Vorbereitung von Beratungsprozessen zur Verfügung stellt.

Ingrid Walther
(News 2/09)


"Mobbingberatung - Fallbeispiele und Lösungen für BeraterInnen und Betroffene". Christa Kolodej. Facultas, Wien 2008, 200 Seiten, ca. € 19,90
 

Die Autorin bietet einen sehr guten Ein- und Überblick über Theorie und Praxis des Mobbings und der Mobbingberatung. Während der erste Teil die Theorie zu Mobbing (Definition, Einflussfaktoren, Konflikttheorien, Gruppendynamik, etc.), und Beratung bei Mobbing (systemischer Beratungsansatz, 7 Schritte der Mobbingberatung, etc.) abbildet, werden im zweiten Teil Fallgeschichten präsentiert, die den typischen Verlauf, die Dynamik und schließlich die Bewältigung von Mobbing aufzeigen. Den LeserInnen wird so nicht nur das Phänomen Mobbing bewusst gemacht, sondern er/sie kann anhand konkreter Fälle wichtige Interventionen und ihre Wirkung nachvollziehen. Im letzten Teil werden die Interventionsmöglichkeiten nochmals anschaulich dargestellt. Der Autorin ist ein sehr praxisnahes Buch gelungen, das für BeraterInnen und Betroffene äußerst lesenswert und hilfreich sein kann.

Alfred Fellinger
(News 1/09)


"Supervision und Coaching. Praxisforschung und Beratung im Sozial- und Bildungsbereich". Hannes Krall, Erika Mikula, Wolfgang Jansche (Hrsg.). Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, 286 Seiten, ca. € 35,90
 

Bereits das Leitmotiv der Einleitung zu diesem Band – Forschen und Beraten „Wie geht das zusammen?“ – verweist auf die reizvolle Lektüre, die alle erwartet, die sich auf dieses Buch einlassen. Basierend auf einem Symposion, veranstaltet von ÖVSSupervisorInnen (Erika Mikula, Wolfgang Jansche) in Kooperation mit der Universität Klagenfurt (Hannes Krall) bietet sich den neugierigen LeserInnen eine Fülle von spannenden, verständlichen und größtenteils exzellent geschriebenen Beiträgen zu einem höchst anspruchsvollen Thema. SupervisorInnen, die an praktischen Impulsen für ihre Arbeit interessiert sind, werden da genauso fündig wie jene, die sich zum aktuellen Stand der Supervisionsforschung kundig machen wollen. Dass das eine mit dem anderen durchaus in einer Wechselbeziehung steht – ja das Supervision selbst immer auch forschende Tätigkeit ist – wird dabei rasch klar. Damit steht das Buch in einer höchst spannenden und aktuellen Entwicklung, welche SupervisorInnen zunehmend – auch – als ForscherInnen begreift und ihre Expertise in den sozialwissenschaftlichen Forschungsprozess einbindet. Das Buch bietet eine Fülle von Anregungen, die eigene Supervisionstätigkeit zu reflektieren und aus einer frischen Perspektive zu betrachten und vermittelt dabei verständlich aufbereitetes Wissen aus soziologischer, pädagogischer und beratungswissenschaftlicher Sicht. Gestandene SupervisorInnen kommen genauso zu Wort wie WissenschafterInnen und prominente GrenzgängerInnen aus der BeraterInnenszene. Den HerausgeberInnen ist es gelungen, eine beeindruckende Palette von AutorInnen zu gewinnen, deren Namen allesamt für höchste Kompetenz, langjährige Erfahrungen und – auch – Prominenz stehen. Ein „Supervisionslesebuch“, das durch seine anregende Vielfalt nicht nur wichtig ist ist, sondern auch die Leselust schürt.

Ingrid Walther
(News 1/09)


"Instrumente systemischen Handelns: Eine Erkundungstour." Leo Baumfeld, Richard Hummelbrunner, Robert Lukesch. Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2009, 352 Seiten, ca. € 19.90
 

Die Autoren, allesamt sehr erfahrene Berater in der Organisations- und Regionalberatung, offerieren mit diesem Buch eine Gesamtschau über Systemtheorie, Ansätze und Instrumente, die in der systemischen (Organisations- und Regional-)Beratungspraxis angewendet werden, sowie noch einiges darüber hinaus. Sie stellen damit für BeraterInnen, Führungskräfte und politisch Aktive relevantes systemisches Wissen zur Verfügung. Die LeserInnen können das Buch als Lesebuch nutzen, aber auch ähnlich wie in einem Lexikon nach Begriffen wie Wissensmanagement, systemische Strategieentwicklung, Diaologos, world cafe, etc. stöbern und ihren ersten Wissensdurst stillen. Wer Lust auf mehr hat, kann sich durch ausführliche Angaben zu weiterführender Literatur und Internetseiten weiter vertiefen.

Alfred Fellinger
(News 1/09)


"Fragen können wie Küsse schmecken, Systemische Fragetechniken für Anfänger und Fortgeschrittene". Carmen Kindl-Beilfuß. Carl Auer Verlag, Heidelberg 2008, 208 Seiten, ca. € 22,60 ohne Karten bzw. ca. € 38,10 mit Karten
 

Wer Ratgeberliteratur gerne mag, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Es will was Besonderes sein und ist es auch. Die Autorin empfiehlt in ihrem Vorwort: „Zaubern Sie! Gestalten Sie! Erfinden Sie! Und genießen Sie!“ Wer dieser Empfehlung in seiner Arbeit nachgehen möchte, der findet viele Anregungen für Therapie, Beratung und Coaching. Carmen Kindl-Beilfuß ist es wichtig „Sinn und Sinnlichkeit“ in der Beratung miteinander zu verknüpfen. Sie lädt ein, auf die Wortwahl zu achten und mit schöner Sprache treffende Fragegespräche zu entwickeln. Auf dem Hintergrund systemischer Familientherapie und Beratung finden wir zunächst eine „Einführung in die Kunst des guten Fragens“, danach viele, sehr unterschiedliche Beispiele gelungener und misslungener Fragegespräche, eine ausdifferenzierte Kategoriesierung eines ressourcenorientierten biografischen Fragegesprächs und eine anregende Empfehlung für „10 Fragen, die immer gehen“. An unterschiedlichen Stellen des Buches werden wir eingeladen auf Fragen zu antworten und für uns neue Fragen als Werkzeug unserer Arbeit zu kreieren. Ein Werkstattbuch also, das inspiriert, das eigene Repertoire methodisch zu erweitern. Der Stil der Autorin ist bereits im Titel angedeutet und wirkt für manche vielleicht irritierend. Abschließend werden 111 Fragen genannt, die in der „wunderbaren Fragebox“ – extra auf Spielkarten abgedruckt – enthalten sind. Die Sammlung von Spielkarten erinnert an Gesellschaftsspiele. Carmen Kindl-Beilfuß gibt Empfehlungen für den Umgang damit. Die Kartenbox ist extra zu erwerben. Vor allem für jene gedacht, die Sprache, Bilder und Metaphern der Autorin schätzen. Carmen Kindl-Beilfuß: „Sie wissen ja, küssen kann im Prinzip jeder, aber die Unterschiede, die Unterschiede!“

Barbara Prowaznik
(News 1/09)


"Networking für Trainer, Berater, Coachs - bessere Kontakte - höhere Bekanntheit - mehr Umsatz". Svenja Hofert. Verlag Gabal Trainer Praxis, Offenbach 2007, 162 Seiten, ca. € 29,90
 

Das Buch versteht sich als Ratgeber und möchte in der Trendwelt „Networking“ neue Facetten und praktische Anregungen bieten. Zielgruppe sind BeraterInnen, TrainerInnen und Coaches, die letztendlich Aufträge über Netzwerke generieren möchten oder professionellen Austausch suchen. Netzwerkgesetze, die Kunst des Small Talks und Marketing-Aspekte werden ebenso dargestellt wie die unterschiedlichen Netzwerktypen und der Umgang mit Netzwerkkrisen. Wer sein berufliches Netzwerken strategischer planen möchte, findet hier zahlreiche praktische und zielgerichtete Impulse. Die Autorin regt zur kritischen Reflexion über das eigene Nutzen von Netzwerken an. Die rechtlichen Grundlagen und die zahlreichen Netzwerkbeispiele sind allerdings stark auf Deutschland bezogen. Die grafische Gestaltung des Buchs ist ansprechend, zahlreiche Checklisten und Ausfüllhilfen erleichtern eine schnelle Umsetzung. Wenn auch nicht gerade neue Netzwerkerkenntnisse gezogen werden, so bietet das Buch doch eine Unterstützung für eine strukturiertere und geplantere Netzwerkarbeit.

Bettina Strümpf
(News 3/08)


"einfach systemisch! Systemische Grundlagen & Methoden für Ihre pädagogische Arbeit". Christa Renoldner, Eva Scala, Reinhold Rabenstein.  Ökotopia Verlag, Münster 2007, 236 Seiten, ca. € 24,70
 

Wer gerade auf der Suche nach einer passenden und/oder kreativen systemischen Intervention für einen Einsatz als ModeratorIn, TrainerIn oder SupervisorIn ist, kann in diesem Buch fündig werden. „einfach systemisch!“ ist eines jener Bücher, zu dem man immer wieder gerne greift, wenn man auf der Suche nach einer zündenden methodischen Idee ist oder aber einfach nachschauen will, wie denn eine schon vertraute Intervention nun genau funktioniert. Das praxisorientierte Buch bietet aber nicht nur systemisches Methodeninventar, sondern auch einen hilfreichen Überblick über die wichtigsten systemischen Begriffe und Konzepte. Primär richtet es sich an PädagogInnen, die Themenblöcken „Systemisch laufen lernen“, „Systemisch lernen“ und „Systemisch leiten“ vermitteln jedoch systemisches Grundwissen für alle an diesem methodischen Zugang Interessierten. Der pädagogische Anspruch, komplexe Gedankengänge verständlich und so darzustellen, dass ein unmittelbarer Nutzen sichtbar wird, ist diesem Buch anzumerken und durchaus kein Nachteil. Schließlich macht es auch Mut, Komplexitäten zwar zu sehen und anzuerkennen, diese aber auch mit oft einfachen systemischen Interventionen zu analysieren und produktive Veränderungsprozesse einzuleiten.

Ingrid Walther
(News 3/08)


"Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern". George Lakoff, Mark Johnson. Carl-Auer Verlag, 272 Seiten, € 26,90
 

George Lakoff, Professor für Linguistik an der University of California – Berkley, gilt in linguistischen Fachkreisen schon lange als der Forscher über den Zusammenhang von Metaphern und unserem Denken. Umso größer war die Freude des Verlags, sein Standardwerk jetzt auch in deutsch auf den Markt bringen zu können. Gleich vorweg: Ein Lob der Übersetzerin Astrid Hildenbrand, deren sprachliche Nachgestaltung von metaphorischen Beispielen aus unserer Alltagssprache meine absolute Bewunderung erfährt. Mich hat an diesem Buch am meisten fasziniert zu sehen, wie unser Sprechen über Situationen, unsere Wahrnehmung und auch unsere Erfahrung metaphorisch strukturiert ist. Und dies „unbewusst“ unsere Alltagssprache ausmacht. Für SupervisorInnen, die in ihrer Praxis gerne auf die Arbeit mit Metaphern zurückgreifen, ist dieses wissenschaftliche Werk sicher eine spannende Reise in ein linguistisches Metaphern- Neuland.

Irmela Schön
(News 3/08)


"Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn".  Vilayanur Ramachandran. rororo, Rowohlt-Verlag, 192 Seiten, ca. € 8,95
 

„Rein ins Hirn! Im doppelten Sinn!“ Wie nehmen wir wahr, wie denken wir, wie konstruieren wir, wie entscheiden wir, wie fühlen wir? Zentrale Fragen für SupervisorInnen und Coaches. Die Erkenntnisse der Neurowissenschaften bringen hier Überraschendes. Also: Welche Auswirkungen können die Erkenntnisse der Hirnforschung für unsere Arbeit haben. Was haben zum Beispiel die Spiegelneuronen mit Empathie zu tun? Vilayanur Ramachandran, Director of the Center for Brain and Cognition in San Diego und Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of California, hielt 2003 in einer BBC-Reihe fünf Einführungsvorträge: Phantombilder des Geistes, Glauben heißt sehen, Das künstliche Gehirn; Lila Zahlen und scharfer Käse und Neurowissenschaft – die neue Philosophie. Leicht verständlich und anschaulich wird das neurowissenschaftliche Denken nahegebracht, wird Neugierde geweckt, sich in diese Materie zu vertiefen. Die perfekte Einstiegslektüre ins Hirn!

Wolfgang Knopf
(News 3/08)


"Wie Systemische Strukturaufstellungen gelingen können. Praxisanleitung und Aufstellungsdemos". Doris Landauer. Verlag Systemisches Management 2007, 88 Seiten, ca. € 14,50
 

Das Angebot an systemischen Strukturaufstellungen boomt nach wie vor. Wer einen ersten praktischen Einblick in diese Methode haben möchte, wer sich über die Verwendung dieser Methode für Supervision und Coaching verschaffen möchte, dem sei diese kurzweilige Band empfohlen. Anhand von vier transkribierten Fallstudien zu den Themen Bosnienkrieg, Täter-Opferproblematik, Selfmarketing und Mobbing wird die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von Aufstellungen gezeigt. Die Grundprinzipien struktureller Aufstellungsarbeit werden in einer sprachlichen Oberflächenstrukturaufstellung, in einer Tetralemma-Aufstellung, in einer partiellen Problemaufstellung und in einer kombinierten partiellen Problemaufstellung gezeigt. Der vorliegende Band ist als Abschlussarbeit bei SySt-Institut München entstanden und mit einem Vorwort von Insa Sparrer und Maththias Varga von Kibéd versehen.

Wolfgang Knopf (News 2/08)


"Anleitung zum Träumen. Träume kreativ nutzen". Brigitte Holzinger. Klett-Cotta Stuttgart 2007, 160 Seiten. ca. € 10,30
 

Das Deuten von Träumen ist eine uralte Kulturtechnik. Gesellschaftsfähig wurde sie bei uns durch Sigmund Freuds eindrucksvoll geschriebenes Werk zu diesem Thema. Brigitte Holzinger macht in ihrem Buch nicht nur einen Streifzug durch die Traumdeutung unterschiedlicher Kulturen, sondern gibt auch einen verständlichen und seriösen Überblick über die Traumforschung von Freud bis zur Gegenwart. In Interviews lässt sie ausgewiesene Experten wie den Schlafforscher Alan Hobson zu Wort kommen, der anschaulich die gehirnphysiologische Seite des Schlaf- und Traumgeschehens darstellt. Dass es sich – dem Titel entsprechend – auch um ein sehr praxisbezogenes Buch handelt, verrät schon Kapitel 1 mit Anregungen zum Umgang mit eigenen Träumen. Die verschiedenen Aspekten des Traumverstehens – die „Körpersprache“ des Traums, das luzide Träumen, der Umgang mit Albträumen und die Bedeutung des Träumens für unsere Kreativität – können anhand inspirierender Kapitel erkundet werden. „Anleitung zum Träumen“ ist eine „sommerliche“ Buchempfehlung. Ein Buch, das in Zeiten in die Hand genommen werden kann, in denen die Muße vorhanden ist, anhand der zahlreichen Anregung und Übungen eigene Träume aufzuzeichnen, zu reflektieren und sich vielleicht auch einmal auf das Experiment des „luziden Träumens “ einzulassen.

Ingrid Walther
(News 2/08)


"OE-Prozesse initiieren und gestalten. Ein Handbuch für Führungskräfte, Berater/innen und Projektleiter/innen". Walter Häfele (Herausgeber). Haupt Verlag Bern, Stuttgart, Wien 2007, 350 Seiten, ca. € 34,–
 

Das vom Management Center Vorarlberg erstellte Handbuch bietet eine Fülle konkreter, detaillierter und praktischer Information zur Organisationsentwicklung und gewährt Einblicke in Methodenwerkzeuge und Praxis: der Bogen reicht von methodischen Grundbegriffen über Phasenmodelle und Beschreibungen von Prozessen step by step bis hin zu Frageleitfäden und detaillierten Interventionsdesigns. Das Buch richtet sich an BeraterInnen und an Führungskräfte und gibt so die Entwicklung wieder, dass viele BeratungskundInnen know-how über Beratung entwickeln und wissen, was sie von BeraterInnen anfragen; im hinteren Teil des Buches kommen Führungskräfte mit Erfahrungsberichten in Beratungsprozessen zu Wort. Was ein wenig überrascht ist die Bezeichnung „OE“, die sich durch alle Kapitel zieht – in der Fachliteratur ist davon heute weniger die Rede, eher von Change Management oder der Gestaltung von Organisationsprozessen. Die Stärke des Buches liegt in seiner handlungsbezogenen Konkretheit, die für BeraterInnen von Organisationen hilfreich ist, wenn sie auf eine fundierte Wissensbasis und Klarheit über die eigene Rolle als Beraterin trifft.

Monika Meirer
(News 2/08)


"Veränderung stabilisieren. Strategische Teamentwicklung als Führungsaufgabe zur Stabilisierung von Organisationsentwicklungsprozessen". Andrea Tippe. Carl-AuerVerlag 2008 96 Seiten, ca. € 16,95
 

Tippes Buch besticht einerseits durch die methodische Konsequenz, mit der sie sowohl ihr eigenes Forschungsinteresse als auch „the State of the Art“ in den Blick nimmt, andererseits durch die Offenheit, mit der sie ihre eigene Praxis zur Verfügung stellt und für Theorieentwicklung nutzbar macht. Diese Verschränkung ermöglicht hohe Transparenz und Klarheit und macht das Buch für PraktikerInnen wie auch Interessierte, die einen Einstieg in die Thematik suchen, wertvoll. Teamentwicklung bietet ein Instrumentarium, um auf ständige Veränderung proaktiv und innovativ reagieren zu können. Kommunikative Vermittlung von Verbindlichkeit erzeugt Berechenbarkeit, wenn das Fehlen von Berechenbarkeit als „Vision des ständigen Wandels“ die organisationspolitische Grundannahme darstellt. Dieser Stabilisierungsbegriff zielt lerntheoretisch auf das Einüben neuer sozialer wie struktureller Verhaltensroutinen ab. Wenn Teamentwicklung an externe Beratung angekoppelt bleibt, wirkt dies für Stabilisierung kontraproduktiv. Tippes Buch zeigt einmal mehr die Bedeutung der Beziehungsarbeit unter Beachtung funktionaler Setzungen. Besonders deutlich wird der fachlich gebildeten Leserin, wo und wie Tippe die Beratungsformate Supervision – Teamentwicklung – OE voneinander abgrenzt und zugleich verschränkt. Da sie dabei stets klar bleibt in der Orientierung auf die Anliegen des zu beratende Systems, liest sich das Buch auch wie eine Studie zu gelungener Beratung unter Verwendung funktional differenzierter methodischer Formate.

Michaela Judy
(News 2/08)


"Sog-Marketing für Coaches – So werden Sie für Kunde und Medien (fast) unwiderstehlich". Giso Weyand. managerSeminar Verlags GmbH Bonn 2007, 264 Seiten, ca. € 49,90
 

Das Buch beschäftigt sich mit DER Frage, die sich jede/r Coach und BeraterIn am Beginn und während ihrer/seiner Berufskarriere stellt – Wie vermarkte ich mich, damit ich zu Aufträgen komme? Der Autor setzt dabei bei den aus seiner Sicht zentralen und wichtigsten drei Punkten an: Positionierung, Inszenierung und Profilierung. Er bietet einerseits einen Wegweiser und Unterstützung durch konkrete Fragestellungen, mit denen sich die LeserInnen ausführlich beschäftigen sollten, und andererseits auch konkrete Praxisbeispiele, damit die Ideen auch zur Realisierung kommen. Besonders herausgreifen möchte ich die „Anleitung“ zur Homepagegestaltung und der Positionierung mittels Publikationen sowie die Erfahrungsberichte von erfahrenen, namhaften Coaches zu ihrem Marketing. Giso Weyand ist mit diesem kurzweiligen Buch ein sehr gutes, zum Nachdenken und zum sofortigen Umsetzen gedachtes Buch zu Marketing für Coaches und verwandte Berufe gelungen.

Alfred Fellinger
(News 2/08


"Integrative Supervision, Meta-Consulting, Organisationsentwicklung. Ein Handbuch für Modelle und Methoden reflexiver Praxis, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage". Hilarion Petzold. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ca. 522 Seiten, ca. € 69,90
 

Neun Jahre nach der Erstauflage dieses „Klassikers“, war es endlich soweit mit einer Neuauflage - damit ist das Werk wieder außerhalb von Bibliotheken erhältlich. Petzold bietet mit diesem Standardwerk, das ein Muss für alle SupervisorInnen und verwandte BeraterInnenberufe ist, eine tief greifende Auseinandersetzung, die in einer Theorie der Supervision bzw. in einem eigenständigen Ansatz der Supervision - der integrativen Supervision - mündet. In seinem integrativen, mehrperspektivischen „Dynamic Systems Approach to Supervision“ zeigt er die Komplexität von Supervision als Methode, Prozess, Praxisstrategie und „sozialphilosophisch fundierte Disziplin“ auf. Dabei fasst er sozialpsychologische, philosophische, systemische, organisationssoziologische und psychotherapiewissenschaftliche Konzepte zu einem konsistenten Modell, das durch einen kontinuierlichen Theorie-Praxisdiskurs begleitet ist, zusammen. Anschließend transferiert er seine Überlegungen zur Integrativen Supervision selbst noch auf eine Metaebene - Beratung von Beratungsprozessen (Metaconsulting) und Systemsupervision.

Alfred Fellinger
(News 1/08)


"Management Constellations. Mit Systemaufstellungen Komplexität managen". Claude Rosselet, Georg Senoner, Henriette K. Lingg. Klett-Cotta 2007, 231 Seiten, ca. € 22,50
 

Management Constellations werden in Beratungsprozessen eingesetzt, um das implizite Wissen einer Organisation sichtbar zu machen. Wer gängige Systemaufstellungen kennt, wird wesentliche Unterschiede entdecken. Bei den Management Constellations ist der Focus nicht eine Person sondern ein ganzes Team, z.B. das Leitungsteam eines Unternehmens. In personenbezogenen Formaten wird Wert darauf gelegt, die Lösungstrance nicht durch nachträgliche verbale Reflektion zu stören. Bei den Management Constellations wird das Erlebte gemeinsam mit Hilfe gängiger Beratungsmethoden (z.B. Dialogmoderation oder World Cafe) reflektiert. Ziel ist es, konkrete Aktionen des Managements abzuleiten. Das Buch ist didaktisch sehr gut aufgebaut und gut lesbar. Dem Organisationsberater/der Organisationsberaterin gibt es Antwort auf die Frage „Wo kann ich im Beratungsprozess die Methode anwenden und wie?“ Interessierte KundInnen wissen nach der Lektüre, was Management Constellations sind und wo man überlegen sollte, diese Methode einzusetzen.

Elisabeth Alder-Würrer
(News 1/08)


"Potenziale der Organisationsaufstellung". Thorsten Groth, Gerhard Stey (Hrsg.). Carl-Auer Systeme Verlag, 2007, 256 Seiten, ca. € 30,-
 

In diesem Sammelband wird das Verfahren der Organisationsaufstellung kritisch betrachtet und auf mögliche Potenziale hin befragt. Dabei kommen keine Aufsteller und Aufstellerinnen selbst zu Wort, sondern Personen, die sich zwar intensiv mit der Methode beschäftigt haben, ihr Selbstverständnis aber nicht aus der Aufstellung beziehen. Dieser Ansatz wurde in der Hoffnung gewählt, dadurch eine Außensicht auf die Organisationsaufstellung zu ermöglichen. Dies gelingt nur teilweise. Die Beiträge sind zwar geschickt und mit einem breiten Ansatz ausgewählt, die kritische Auseinandersetzung mit dem Verfahren hält sich aber in (natürlich von den Autoren intendierten) Grenzen, da alle Beiträge grundsätzlich positiv argumentieren. Die Autoren und Autorinnen des Buches sind namhafte Persönlichkeiten in ihren Bereichen, beispielsweise Dirk Baecker für die Systemtheorie, Rudolf Wimmer für die Organisationsberatung oder Bruno Hildenbrand für die qualitative Sozialforschung. Das Themenspektrum der Beiträge deckt ein breites Feld ab und reicht von Fragen nach den Wirkmechanismen der Aufstellungsarbeit, dem Versuch der Verknüpfung von Managementansätzen wie dem St. Gallener Ansatz mit Organisationsaufstellungen bis hin zu einem philosophischen Erklärungsansatz und dem Bemühen Schritte aufzuzeigen, welche die Aufstellerszene im Bemühen um weitere Professionalisierung gehen sollte. In den Beiträgen wird auch klar, dass die Annahme vertieftes Aufstellungswissen alleine sei ausreichend um im Organisationskontext fundiert arbeiten zu können, zu Vereinfachungs- und Abschottungstendenzen führt. Vielmehr braucht es weitere Expertise und ergänzendes Know-how in Bezug auf Funktionsweisen von Teams, Management und Organisationen und eine beraterische Grundhaltung, um in der konkreten Arbeit im Organisationszusammenhang „am Ende nicht doch nur familiäre Strukturen wiederzuentdecken oder personenzentrierte Einzeltherapie zu betreiben“ wie Rudi Wimmer und Annette Gebauer in ihrem Beitrag schreiben. Fazit: Ein spannendes und breit angelegtes Werk zur Organisationsaufstellung, das sicherlich den einen oder anderen Impuls zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bietet.

Gerhard Liska
(News 4/07)


"Veränderungen umsetzen und gestalten, Reflexionen, Methoden, Beispiele". Helga Hofmann, Ingrid Walther, Irmgard Schrems. Facultas Verlag 2007, 243 Seiten, Preis ca. € 24,50
 

In Zeiten wie diesen (Bertolt Brecht) ist dieses Buch eine absolute Bereicherung. Klug, übersichtlich, mit inhaltlichen Hinweisen in persönlich ansprechendem Stil pro Kapitel ist bereits der „Wegweiser durch das Buch“ geschrieben. Das Durcharbeiten des Buches wird zwar empfohlen, die einzelnen Kapitel wie auch die einzelnen Tools (themenfocussierte Übungsanleitungen unterschiedlicher methodische Ansätze ) für unterschiedlichste Beratungs- und Reflexionssituationen sind in sich abgeschlossen, wodurch ein punktuelles Beschäftigen mit einem Veränderungsaspekt bzw. -schritt möglich ist. Das Layout macht es leicht das Buch einfach (auch) als Arbeitsbuch zu verwenden – es werden verschiedene Methoden und Übungen zum jeweiligen Kapitelthema sorgfältig ausgeführt. Interessant für mich als Supervisorin, Beraterin und Fachcoach, wie auch als Eine, die in Zeiten der permanenten und hurtigen Veränderungen immer wieder sachliche, fachlich-fundierte sowie achtsam formulierte und ausgeführte Unterstützung für persönliche wie berufliche Überlegungen und Entscheidungen zum Thema Veränderung schätzt.

Vera Albert
(News 4/07)


"Theatrale Intervention. Von der mitteralterlichen Konfliktregelung bis zur zeitgenössischen Aufstellungs- und Theaterarbeit in Organisationen". Andreas Heindl. Carl Auer Verlag, 2007, 256 Seiten, ca. € 25,-
 

Andreas Heindl nimmt die Modeströmung, mit klassischen sowie modisch „neu"erfundenen Theaterelementen die Beratungsszene zu beleben, unter eine klug-kritische Inhaltslupe. Das erfolgt unter anderem durch das Aufzeigen historischer Entwicklungen wie Theater an sich und seine Interventionsmöglichkeiten im positiven wie (macht-) missbräuchlichen Sinne im Laufe der Zeit eingesetzt und genutzt werden: Vom Mittelalter (Ritual und Herrschaft), weiter über die Reformation zur Aufklärung (Jesuitentheater) bis zur Globalisierung ( ...moderne Industriegesellschaft). Er verbindet jeweils die (gesellschafts-) politischen Anforderungen mit der entsprechend nutzbaren Rolle der Gaukler, Narren und Theaterschaffenden. Weiters zeigt er über all diese Epochen auf, dass damals wie heute die Möglichkeiten theatraler Interventionen von Vergnügen bereiten über Bildung vermitteln, Widerstand leisten bis zu Macht ausüben reichen können. Ein Zuckerl für Theater- und Peter Brook- KennerInnen: die Passage zum Thema Raum. Ein empfehlenswertes Buch für am Theater und theatralen Interventionen geschichtlich wie systemisch Interessierte.

Vera Albert
(News 4/07)


"Beratung als strukturierter und kreativer Prozess. Ein Lehrbuch für die ressourcenorientierte Praxis". Andreas Bürgi, Herbert Eberhart. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2004, 274 Seiten, ca. € 24,90
 

Ein praxisorientiertes, gut lesbares Buch, das seinen Fokus auf konkrete Handlungsanleitungen für das Beraten legt und in Beispielen den Beratungsalltag (im Feld der psychosozialen Beratung im weiteren Sinn) greifbar macht. Unterschiedliche Gesichtspunkte von Beratungsprozessen werden dargestellt, was eine thematisch vielfältige Sammlung ergibt: die Begegnung von BeraterIn und KlientIn, Veränderung durch Beratung, die Bedeutung von Sprache, etc. Manches wird zu methodischen Modellen mit lösungsorientiertem Charakter verdichtet. Der weitgehende Verzicht auf eine theoretische Bezugnahme lässt allerdings manche Praxistipps verkürzt dargestellt wirken und gibt wenig Aufschluss über dahinter liegende Annahmen und Beratungskonzepte. Supervision und Coaching finden in dem Buch keine explizite Erwähnung, dennoch eine anregende Lektüre zur Reflexion der eigenen Praxis, um Bekanntes anders zu betrachten und Neues zu probieren.

Monika Meirer
(News 3/07)


"Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung". Harlich H.Stavemann. Beltz 2007, 356 Seiten, ca. € 39,-
 

Der Titel hat mich verführt die Rezension zu übernehmen – eine Möglichkeit mich auf diesem Weg wieder mit griechischer Philosophie, einem meiner Lieblingsthemen, diesmal im Kontext mit Supervision und Beratung zu beschäftigen. Mein Fazit: Das Buch ist empfehlenswert. Und das, auch für Kolleginnen, die sich (noch) nicht mit den sokratischen Lehren beschäftigt haben. Denn: Teil I „Die Entwicklung des Sokratischen Dialogs: Von der antiken Philosophie zur modernen Psychotherapie“ ist sehr gut und klar aufgebaut sowie - trotz all der Komplexität -gut verständlich formuliert. Er reicht sinnvoller Weise von den Wurzeln in “Entstehung der sokratischen Methode in der Antike“ bis zur Moderne und auch zu „Die praktische Relevanz der philosophischen Modelle für Therapie und Beratung“. Stavemann bietet hier eine fundierte Basis um sich darüber klar zu werden, ob diese Methode, dieser Denkansatz für den persönlich - professionellen Einsatz in Therapie bzw. Beratung passt/passen könnte. In Teil II „Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung - Fallbeispiele“ erfolgt dann die schriftlich-praktische Annäherung an die Methode, wiederum mit logistisch-pädagogisch sehr klarem Aufbau. Außerdem geben bereits die Innenseiten der Buchdeckel jeweils einen inhaltlichen Kurz-Überblick: einmal über die Entstehung der Methode bzw. deren Vertreter, einmal über die Drei Formen des Sokratischen Dialogs. Im Vorwort weist Stavemann darauf hin, dass er aus „... Vereinfachungsgründen die Begriffe Therapeut und Patient“ wählt. Schade, die Differenzierung des Zugangs bei Therapie und/oder Beratung wäre für ihn sicher möglich gewesen und hätte manchen Kolleginnen den Zugang erleichtert. Aber: nehmen Sie es als Herausforderung und Impuls zur persönlichen Differenzierung.

Vera Albert
(News 3/07)


e-book - Tipp:
"Familieninterne Betriebsnachfolge".
Elisabeth Sechser. Kmu-forum verlag, www.kmu-forum.net, 84 Seiten, € 14,80

 

Dieses Buch gibt Anregungen, wie die Übergabe eines Familienunternehmens gestaltet werden kann und wendet sich direkt an Betroffene und Beteiligte im Unternehmen. Konkret und anschaulich geschrieben und angereichert durch zahlreiche Beispiele ist es aber auch eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die als SupervisorInnen mit Familienbetrieben arbeiten oder arbeiten wollen. Die besonderen Bedingungen und Strukturen von Familienbetrieben werden kenntnisreich und praxisnahe dargestellt. Man merkt sowohl die persönliche Erfahrung, die die Autorin als Beraterin und Supervisorin in diesem Bereich einbringt als auch ihre gründliche Auseinandersetzung mit der Literatur zum Thema, die sich in interessanten Literaturhinweisen niederschlägt. Elisabeth Sechser macht auch deutlich, wie sehr Familienbetriebe von externer Beratung profitieren können und widmet ein eigenes Kapitel diesem Thema. Von Supervision hätte ich mir allerdings eine etwas anschaulichere Beschreibung gewünscht. Interessant auch, einmal auszuprobieren, wie es sich mit einem e-book arbeiten lässt. Obwohl ein „haptischer Typ“, der Bücher gerne in der Hand hält, habe ich gerade für ein Arbeits- und Fachbuch diesen Zugang überraschend praktisch gefunden. Optisch klar, schön und übersichtlich gestaltet, angereichert mit nützlichen Informationen und Tabellen, die sich nach Bedarf ausdrucken lassen. Was bei normalen Sachbüchern oft ein Mangel ist, wird über dieses Medium bestens gelöst: um Fragebögen und Checklisten auszufüllen muss man nicht ins Buch „schmieren“, sondern druckt diese in beliebiger Menge aus.

Ingrid Walther
(News 3/07)


"Systemische Organisationsentwicklung und Beratung bei Veränderungsprozessen". Nino Tomaschek (Hrsg.). Carl Auer Systeme Verlag 2006, 290 Seiten, ca. € 33,50
 

Organisationsentwicklung beziehungsweise –beratung hat sich mittlerweile als ein Format berufsbezogener Beratung etabliert. Sie beschäftigt sich mit der Initiierung, Steuerung und Entwicklung organisationsinterner Veränderungs- und Anpassungsprozesse. Nino Tomaschek und seine MitautorInnen beleuchten diese Thematik aus der systemischen Perspektive und vor dem Hintergrund eines MBA-Programms für Organisationsentwicklung an der Uni-Augsburg, als dessen begleitendes Handbuch das vorliegende Werk erschienen ist. Das Handbuch nimmt für sich in Anspruch, einen umfassenden Überblick über die systemische Organisationsberatung und ihre Vorgehensweisen bei Veränderungsprozessen und Beratungsprojekten in Organisationen zu geben. Dazu melden sich namhafte AutorInnen wie Roswitha Königswieser, Ruth Seliger, Frank Boos, Hans Rudi Fischer, Kurt Buchinger u.a. (allesamt auch Vortragende im MBA Programm) zu Wort, die ihre persönlichen Schatzkästchen öffnen, um Einblicke in die komplexe Thematik zu gewähren. Inhaltlich sind die Beiträge nach den drei praxisrelevanten Referenzebenen Mitarbeiter, Team und Organisation gegliedert. Wie bei solchen Aufsatzsammlungen oft der Fall, schwankt auch hier die Qualität der Beiträge beträchtlich. Eher allgemein gehaltene Aufsätze finden sich neben spannend geschriebenen und zum Nachdenken anregenden Artikeln. Das Themenspektrum reicht von der systemischen Haltung über systemische Kommunikation und Konfliktmanagement bis hin zu interkultureller Beratung. Insgesamt erscheint der hohe Anspruch, einen umfassenden Überblick zu geben nämlich, letzten Endes nicht eingelöst. Die gewählte Form der Artikelsammlung lässt dies schon vermuten. Zu schlaglichtartig und punktuell bleiben die einzelnen Beiträge schlussendlich nebeneinander stehen. Da hilft auch die Klammer des Ausbildungsganges nur wenig. Der beziehungsweise die interessierte PraktikerIn wird jedoch den einen oder anderen brauchbaren Happen zum Weiterdenken finden.

Gerhard Liska (News 1/07)


"Supervision und Coaching mit weiblichen Führungskräften - Eine Strategie wider die Einsamkeit". Margit Kühne-Eisendle. VDM Verlag Dr. Müller 2006, 128 Seiten, ca. € 49,00
 

Einsamkeit ist vermutlich jenes Erleben, das alle Führungskräfte teilen. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Autorin diesen Fokus und Zugang zum Thema wählt. Nach einer grundlegenden Einführung in Supervision und Coaching bezieht sich die Autorin in den theoretischen Kapiteln zu geschlechtsspezifischen Aspekten in Supervision und Coaching wie auch in der Auseinandersetzung mit Führung und Frausein im Sozialbereich vor allem auf Theorien und Studien, die – wider ihren Anspruch – eine Geschlechterdifferenz festschreiben. Schade, dass diese Theorien nicht mit weiteren gendertheoretischen Blickwinkeln ergänzt oder kritisch diskutiert werden. Die Ausführungen zum Forschungsprojekt, in dem die Autorin acht weibliche Führungskräfte aus dem Sozialbereich zu Themen rund um die Erfahrungen mit Supervision und Coaching befragte, bestechen mit differenzierter Darstellung und spannenden Passagen aus den Interviews. Vor allem wegen des interessanten Forschungsprojektes, aber auch für EinsteigerInnen im Bereich Supervision und Coaching wie auch für Führungskräfte ist dieses Buch zu empfehlen.

Surur Abdul-Hussain (News 3/06)


"Coachingwissen für Personalverantwortliche". Martina Offermanns & Andreas Steinhübel. Campus Verlag Frankfurt/New York 2006, 228 Seiten, ca. € 49,90
 

Martina Offermanns und Andreas Steinhübel legen hier ein Werk vor, das insbesondere für Personalverantwortliche, wie bereits im Titel angedeutet, von Bedeutung sein dürfte. Sie bieten einen praxisorientierten Überblick über Schwierigkeiten und Fragestellungen, die sich einem „Personaler“, einer „Personalerin“ stellen, der/die in seinem/ihrem Unternehmen Coaching einsetzen möchte. Von einer grundlegenden Definition, über Abgrenzungen zu verwandten Formaten (Training, Therapie, Supervision), der Beschreibung des Coachingprozesses bis hin zu Anforderungen an Coaches und die praktische Implementierung von Coaching reicht das Spektrum. Dabei kommt auch die Beschreibung von Fallbeispielen aus der Praxis nicht zu kurz. Abschließend wird der Thematik der Evaluation von Coaching Raum gegeben. Damit liegt endlich ein Werk vor, das sich umfassend mit den spezifischen Anforderungen an das Coaching Know-how von Personalverantwortlichen auseinandersetzt und dabei Anregungen und Hilfestellungen aus der und für die Praxis gibt. Für uns SupervisorInnen und Coaches zeigen die beiden auf, wie mit dem Beratungsformat Coaching in den Personalabteilungen bereits umgegangen, beziehungsweise in Zukunft wohl umgegangen werden wird. Das gibt uns wertvolles Hintergrundwissen zur Hand, wie Coaching in interne Personalentwicklungsstrategien eingebunden werden und worauf bei der Entscheidung für das Format Coaching, beziehungsweise der Auswahl von Coaches geachtet werden kann. Das ermöglicht letztlich eine professionellere Präsentation und ein besseres Andocken an die Welt der PersonalistInnen.

Gerhard Liska (News 3/06)


"Teamarbeit – Teamentwicklung – Teamberatung. Ein Praxisbuch für die Arbeit in und mit Teams". Manfred Gellert und Claus Nowak. Limmer Verlag, 2. überarbeitete Auflage, Meezen, 2004, 411 Seiten, ca. € 30,-
 

Ein Buch, dessen Inhalt hält was der Titel verspricht. Es wird jeder und jedem Freude bereiten, die/der mit Teams arbeitet. Gesamturteil: sehr praktisch. Wobei festzuhalten ist, das der Titel „Ein Praxisbuch“ eher untertreibt. Die besondere Qualität des Buches liegt nämlich in der Verschränkung von Theorie und Praxis. Der Begriff „Theorie“ bedeutet entsprechend seines griechischen Ursprungs, sich aufmerksam umzuschauen. Wonach? Nach Erklärungen von Prozessen und Strukturen in Teams, die in einem pragmatischen Sinne passen. Theorien sind diesem Verständnis nach Instrumente der Praxis. Sie müssen sich in der Arbeit mit Teams bewähren, um Gültigkeit zu erlangen. Man bemerkt beim Lesen des Buchs sehr schnell, dass die Autoren praktische Theoretiker sind. Das dient der Verständlichkeit des Dargestellten. Der Aufbau ist übersichtlich und klar: Teamarbeit, Teamentwicklung und Teamberatung als drei voneinander abgrenzbare Arbeitsfelder der Arbeit mit Teams. Jedes Kapitel wird durch einen „Werkzeugkasten“ ergänzt, denn es auch als CD gibt, um sich das aufwendige Kopieren der Übungsvorlagen zu ersparen. In der überarbeiteten zweiten Auflage des Buchs wird aktuellen Entwicklungen Rechnung getragen. So wird in einem Beitrag von Birgit Schenk etwa auf die Arbeit mit virtuellen Teams eingegangen. Technische Entwicklung und Globalisierung bringen mit sich, dass es Teams gibt, deren Mitglieder sich untereinander gar nicht persönlich kennen, sondern lediglich auf elektronischem Wege miteinander kommunizieren. Das bringt spezielle Probleme mit sich und stellt die Teamleitung vor besondere Herausforderungen. Alles in allem ein sehr nützliches Buch.

Ernst Silbermayr (News 3/06)


"Dynamische Urteilsbildung". Susanne Bächtold, Katja Supersaxo (Hrsg.). Verlag Haupt. Bern 2005, 386 Seiten, ca. € 45,-
 

Mit dem Band „Dynamische Urteilsbildung“ stellen Susanne Bächtold und Katja Supersaxo als Herausgeberinnen das spannende Modell der „Lemniskate“ vor, ein „Modell des Urteilens und Handelns“, aber auch ein hilfreiches Prozess-Reflexions-Modell. Dabei stellt die Art des Reflektierens, die hier präsentiert wird für uns SupervisorInnen nichts wirklich Neues dar, geht es doch im Grunde darum, sich ausgehend von einer konkreten Frage oder einem „Problem“ über die Exploration der Fakten zur Hypothesenbildung hin zu bewegen um schließlich – ganz lösungsorientiert – Ziele festzulegen und konkrete Mittel zu finden. Anders und neu ist der methodische Hintergrund, vor dem dies geschieht: Der ganze Prozess wird auf der Lemniskate, einer Endlosschleife (siehe Buchcover) abgebildet, die Frage (als Ausgangsfrage und weitere im Suchprozess auftauchende Fragen) steht im Mittelpunkt und die einzelnen Erkundungswege und Stationen werden genau beschrieben. Das in diesem Band vorgestellte Modell lehnt sich in seinen Grundelementen an Rudolf Steiner an und wurde Anfang der 70-iger Jahre von dem Niederländer Lex Bos konzipiert. Es „zeigt, wie Denk- und Entscheidungsfindungsprozesse bei einem Individuum oder einer Gruppe von Menschen erfasst und begleitet werden können“ und kann von SupervisorInnen als eine weitere hilfreichen Landkarte bei Problemlösungs- und Entscheidungsfindungprozessen genutzt werden. „Dynamische Urteilsbildung“ ist ein Handbuch, dass an Hand zahlreicher Praxisbeispiele das eigene Repertoire in den Bereichen Beratung und Management, Supervision und Coaching, Mediation und Konfliktbearbeitung bereichert.

Ingrid Walther (News 3/06)


"Handbuch Coaching und Beratung". Björn Migge. Beltz (2005) , 633 Seiten, ca. € 49,90
 

Ein Buch – zwei Blickwinkel:
Blickwinkel 1:
Ein Buch aus der Kategorie „Kraut und Rüben“ oder: „quer durch den Gemüsegarten“. Auf über 600 Seiten wird für alles, was ein – persönliches! - Problem ist, etwas angeboten, für jede/n etwas, besonders für die, die das Wort „Tools“ mögen. Migge nennt das, was man als „wahllos“ bezeichnen könnte, „methodenübergreifend“. Dabei bezieht sich diese wahllose Vielfalt nicht nur auf die Methoden, sondern auch auf die Gedanken und Erklärungen, die er zu vielen Themen und Problemfällen abgibt. Die Begriffe Coaching und Beratung unterscheidet er letztlich nicht, die Begriffe Supervision oder Organisation kommen praktisch nicht oder kaum vor, daher macht er auch keinen Unterschied zwischen berufbezogenen und privaten Themen in der Beratung. Daraus folgt auch, dass er hie „lösungsorientiert“ argumentiert und da „Übertragung“ und „Gegenübertragung“ reflektiert, er also zwischen den Haltungen ganz verschiedener „Schulen“ hin und her springt. Auch eindeutig psychotherapeutische Interventionen schlägt er locker vor. Wer postmodernen Eklektizismus schätzt, findet hier Unterstützung.
Blickwinkel 2:
Ein Buch zum Schmökern – mit einer weiten Perspektive und einem offenen Herzen. Eine solche Fülle von Anregungen zum Denken und Handeln in schwierigen Situationen findet man sonst kaum. Von Burnout bis Inzest, von Gewalt bis Karriere, zu allem findet man was. Für AusbildungskandidatInnen in einer Beratungsausbildung vielleicht zu wahllos (siehe Version A), für Beratungsprofis aber eine Fundgrube, nicht nur von Methoden, sondern auch von prägnanten Darstellungen von vielen modernen Erklärungsmodellen.

René Reichel


"Reflexionsarchitekturen - Evaluierung als Beitrag zum Organisationslernen". Georg Zepke. Carl-Auer-Verlag 2005, 182 Seiten, ca. € 19,95 
 

Georg Zepke ist Unternehmensberater, Trainer, Coach und Supervisor mit systemischem Background in Wien. Der Untertitel „Evaluierung als Beitrag zum Organisationslernen“ beschreibt den Inhalt seines Buchs „Reflexionsarchitekturen“, das auf seiner Dissertation beruht, recht gut: Welchen Wert haben Evaluierungsmaßnahmen für Organisationen, für deren Entwicklung und Veränderung? Der erste, theoretische Teil des Buches gibt einen Überblick über unterschiedliche Evaluierungsmodelle; dem folgt ein stark praxisbezogener Teil, in dem Zepke an Hand dreier Beratungsprojekte Evaluierungen anschaulich darstellt. Er vermittelt damit ein anschauliches und gut fassbares Bild der positiven Aspekte wie der Fallstricke von Evaluierung, und gibt konkrete Hinweise, wie mit diesen Fallen umgegangen werden kann. Zitate von Beteiligten dieser Projekte erlauben einen guten Einblick in Evaluierungsmaßnahmen, gestatten uns quasi das Dabei-Sein als stille Beobachter. - Etwas ärgerlich nur die Druckfehler.

Wladimir Zalozieckyj Sas


"Intuition - Theorie und praktische Anwendung,  Unveränderte Veröffentlichung der Forschungsarbeit 2003". Regina Obermayr-Breitfuß. Books on Demand GmbH. 2005, 583 Seiten, ca. € 49,90
 

Als SupervisorInnen handeln wir nicht selten so, dass wir unser spontanes Tun – im Nachhinein – unserer Intuition zuschreiben. Im vorliegenden Buch beschreibt Regina Obermayr-Breitfuß alles, was den Nachweis von Intuition begünstigen soll. Intuition meint „untrügerischen Spürsinn“, „innere Gewissheit“, „Eingebung“ (vgl. S. 28). Viele können wahrscheinlich so einem Zugang zur Erkenntnis etwas abgewinnen. Fernöstliche Philosophien bereichern seit Jahrzehnten unsere Lektüre. Wundersame Geschichten führen uns in Welten hinter den augenscheinlichen Dingen. Der Versuch jedoch, sich in wissenschaftlichem Duktus dem Phänomen auf 583 Seiten zu nähern, wirkt eher ermüdend. Die Autorin zeigt Intuition bei Personen und Denkhaltungen auf: Rudolf Steiner, C. G. Jung, Baruch de Spinoza – um einige bekannte Namen zu nennen, bei Personen aus der Wirtschaft und bei Gail Fergusion, ihrer USA-amerikanischen Lehrerin. Sie findet in der Quantentheorie theoretische Anhaltspunkte für intuitive Vorgänge. Die „Erleuchtungen“ im Erkenntnisprozess mancher Physiker sieht sie ebenfalls als Indiz. Sie sucht Zeugnis bei Wissenschaftlern wie Rupert Sheldrake, Fritjof Capra, Anton Zeilinger, berührt Telepathie, PSI-Effekte, Psychotherapie oder die Aufstellungen von Bert Hellinger. Sie sucht in Wissenschaft, Kunst und in Weisheitslehren. Überall findet sie Bestätigung für Intuition, die an Hellsichtigkeit grenzt und höheren Gesetzen entspricht. Das erzeugt bei mir als Leserin ein Unbehagen. Ob das vorliegende Buch Intuition in eine akzeptable Theorie fassen kann, uns verstehen lässt, was bei den als intuitiv genannten Denk-, Empfindungs- und Handlungsimpulsen vor sich geht, müssen LeserInnen selbst entscheiden.

Anneliese Heilinger


"Beratung-Psychotherapie-Supervision, Einführung in die psychosoziale Beratungslandschaft". René Reichel (Hg.). Facultas Verlags- u. Buchhandlungs AG, Wien 2005, 283 Seiten
 

Beratung boomt und gerade unlängst hat die Neue Zürcher Zeitung eine Beilage mit dem Titel „Berater – Die Souffleure der hilflosen Gesellschaft“ herausgegeben. Dass „Beratung“ aber nicht gleich „Beratung“ ist, dass es große Unterschiede in den Formen, dem Professionalisierungsgrad und der Qualität von Beratung gibt, das beginnt sich in breiteren Kreisen erst langsam durchzusprechen. René Reichel legt nun mit diesem Sammelband ein Buch vor, das die österreichische Beratungslandschaft vergleichend darstellt und dabei auf jene Formen von „psychosozialer Beratung“ fokussiert, die ein elaboriertes Wissen, fundierte Ausbildungen und verbindliche Qualitätskriterien aufweisen können. Die historische wie die aktuelle Bedeutung von Beratung werden genauso beleuchtet wie Fragen der Professionalisierung, die Beratungsforschung und Beratungsevaluation sowie von Aus- und Weiterbildung. Die einzelnen Beratungsformen – das Spektrum reicht von der Psychotherapie über Supervision/Coaching, der Lebens- und Sozialberatung u.a. bis zur seelsorgerischen Beratung – werden durch ausgewiesene ExpertInnen des jeweiligen Faches nachvollziehbar und verständlich, aber auch kritisch dargestellt. So können sich sowohl interessierte Laien grundlegende Informationen holen als auch „Beratungsprofis“ einen informativen Blick über den nachbarlichen Zaun werfen.

Ingrid Walther


"Coaching von Doppelspitzen – Anleitung für den Coach". Astrid Schreyögg. Campus Verlag Frankfurt/New York 2005, 196 S.
 

Astrid Schreyögg`s neues Buch fällt zunächst durch seinen ungewöhnlichen Titel auf. Das Wort Doppelspitzen ist nicht gerade sehr geläufig. Gemeint ist die Beratung von Führungsduos unterschiedlichster Art. Damit beschäftigt sie sich mit einer durchaus altbekannten Thematik. Vielen SupervisorInnen und Coaches wird das mögliche Konfliktpotenzial formaler und informaler Führungsduos in ihrer täglichen Arbeit bereits begegnet sein. Neu ist hingegen die komprimierte Art der Darstellung und Auseinandersetzung. Wieder einmal gelingt es Astrid Schreyögg, ein Thema innerhalb der Coaching-Szene zu besetzen und Impulse zur weiteren Auseinandersetzung zu geben. Sie behandelt die Problematik in gewohnt professioneller Weise. Thematisch gliedert sie das Buch in zwei Teile. Ein einführender erster Teil beschäftigt sich mit einer generellen Standortbestimmung des Begriffes Coaching. Die aus der spezifischen Konstellationen von Führungsduos, eben Doppelspitzen, entstehenden Konflikte und deren Aufarbeitung im Coaching behandelt Astrid Schreyögg in einem zweiten Teil. Dabei stützt sie sich auf viele Fallbeispiele. Großen Wert legt sie auf die Vernetzung mit relevanten Modellen und Ansätzen aus der Literatur. Damit stellt Astrid Schreyögg jedoch auch einen hohen Anspruch an das Vorwissen ihrer LeserInnen. Dieses Buch ist weniger für den bzw. die EinsteigerIn geschrieben als für bereits in der Praxis stehende Coaches und SupervisorInnen, die sich gezielt mit der Problematik von Führungsduos auseinandersetzen wollen.

Gerhard Liska


"Change Management. Den Unternehmenswandel gestalten".  Klaus Doppler, Christoph Lauterburg. Campus Verlag 11. Auflage 2005
 

Der nun schon mehr als 10 Jahre alte Klassiker zum Thema Veränderungen in Organisationen ist 2005 vom Campus-Verlag neu aufgelegt und überarbeitet worden und präsentiert sich – ergänzt durch aktuelle Themen und neue Kapitel wie z.B. „Teamentwicklung“ und „Fusionen und Akquisitionen“ - modern und praxisorientiert. Die Eigendefinition der Autoren, nämlich ein „Do-it-yourself“-Handbuch für Unternehmen- und Organisationsentwicklung, kann durchaus wörtlich genommen werden. Neben vielen grundsätzlichen Überlegungen, die verständlich für ein breites Lesepublikum aufbereitet sind, enthält dieses Buch eine Fülle von Anregungen, Techniken, und Checklisten für unterschiedliche Aufgabenstellungen im Rahmen von Change-Management- und Organisationsentwicklungsprozessen. Im mehr als 450 Seiten umfassenden Teil „Blick in die Werkstatt“ erfährt man viel Wissenswertes und Nützliches zu Themen wie Strategieentwicklung, Organisationsdiagnose, Moderation, Prozessorientiertes Projektmanagement, Gestaltung von Workshops, Veränderung der Unternehmenskultur und Kriterien erfolgreicher Unternehmensführung, um nur einige herauszugreifen. In einem eigenen Kapitel zum Thema Coaching werden gundlegende Informationen geboten. Interessant für uns SupervisorInnen ist, dass dieses Thema unter dem Stichwort „Alter Wein in neuen Schläuchen“ abgehandelt wird und Supervision als ein von jeher selbstverständliches und unverzichtbares Instrument der Professionalisierung im Bereich sozialer und pädagogischer Berufe beschrieben wird, von dem sich Coaching eigentlich nur dadurch unterscheidet, dass es eine „Entdeckung“ des Managements der letzten wenigen Jahre ist. Ein immer noch und jetzt erneut sehr brauchbares Nachschlagwerk also, für Interne und Externe, für ChefInnen und BeraterInnen.

Ingrid Walther


"Supervision auf dem Prüfstand. Wirksamkeit, Forschung, Anwendungsfelder, Innovation". Petzold H.G./ Schigl B./ Fischer M./ Höfner C. (2003). Leske + Budrich, Opladen
 

Dieses Buch ist in der Edition Donau-Universität Krems: Studien und Texte aus dem Zentrum für Psychosoziale Medizin erschienen. Grundlage war ein Supervisionsforschungsprojekt. Bei der veröffentlichten Studie wurde die deutsch- und englischsprachige Literatur zur Supervisionsforschung untersucht. (Niederländische und skandinavische Veröffentlichungen sollen erst später gesichtet werden.) Eingebunden sind hier Balint-Gruppen, Teamsupervision und Coaching (dies allerdings im psychosozialen Bereich). Zentral wird der Frage nachgegangen, wie der internationale Forschungsstand bezüglich der Wirkung und der Wirksamkeit von Supervision zur Zeit ist. Zu acht detaillierten Fragen wie "Welche Formen von Supervision sind wie wirksam?" oder "Welche Wirkungen von Supervision auf KlientInnensysteme konnten bisher belegt werden?" oder "Welche Wirkfaktoren kommen im Supervisionsprozess positiv/negativ zum Tragen?" usw. wurde die vorhandene Literatur quantitativ wie qualitativ untersucht. Das Ergebnis dieser Literaturstudie erbrachte neben einem Überblick über den Stand des aktuellen Wissens, eine Sammlung von Forschungsinstrumentarien für Supervisionsforschung, Forschungsleitlinien und Forschungsdesigns für weitere Forschungen. Wer in Supervisionsausbildungen konzeptiv wie praktisch aktiv ist, findet ebenso wie ForscherInnen in diesem Band ein Fülle von interessanten Informationen.

Wolfgang Knopf


"Die flexible Supervision. Herausforderungen - Konzepte - Perspektiven. Eine kritische Bestandsaufnahme". Buer, Ferdinand und Siller, Gertrud (Hrsg.). VS VERLAG FÜR SOZIALWISSENSCHAFTEN, Wiesbaden 2004
 

Nach Richard Sennets "flexiblen Menschen" gibt es jetzt also die "flexible Supervision". Auch die HerausgeberInnen dieses Bandes beziehen sich auf die von Sennet 1998 für ein breites Lesepublikum eindrucksvoll dokumentierte flexibilisierte neue Arbeitswelt, welche die von ihr Betroffenen allzu oft ratlos mit der Frage nach ihrer beruflichen Identität und Rolle - und nach dem Sinn der von ihnen erlebten Veränderungsprozesse zurücklässt. Dass es gerade die Supervision ist, die eine Auseinandersetzung mit der Thematik des Flexibilisierungsdrucks und der ungeheuren Komplexität der aktuellen Berufswelt möglich macht, darauf gehen die AutorInnen dieses Buches auf eine teilweise sehr spannende und weiterführende Weise ein. Dabei kommt auch die aktuelle und wichtige Auseinandersetzung mit anderen Beratungsangeboten, wie etwa der Unternehmensberatung und dem Coaching, nicht zu kurz. Insgesamt bieten die Beiträge dieses Buches zu den Themenbereichen "Wandel der Arbeitsgesellschaft - Herausforderung für Supervision" , "Supervisionskonzepte im gesellschaftlichen Flexibilisierungsprozess" sowie "Perspektiven der Professionalisierung von Supervision" eine für die Reflexion des eigenen Supervisionsverständnis anregende Lektüre.

Ingrid Walther


"Kreativ beraten". René Reichel. Reinhold Rabenstein, Ökotopia Verlag, Münster
 

Mit dem Titel "kreativ beraten" präsentieren René Reichel und Reinhold Rabenstein "Methoden, Modelle und Strategien" für Beratung, Coaching und Supervision, wie es im Untertitel des Buches heißt. Nun läßt sich über den Begriff der "Methode" diskutieren - erhebt doch Supervision selbst den Anspruch, eine eigenständinge Methode der beruflichen Reflexion und Beratung zu sein - einen umfassenden Überblick über kreative Techniken, die sich in Supervision, Coaching und anderen Formen der Beratung einsetzen lassen, liefert dieses Buch in jedem Fall. Erfahrene SupervisorInnen werden hier viel Bekanntes finden und bezüglich mancher Technik, die sie vielleicht nicht mehr so genau im Gedächtnis haben, dieses wieder auffrischen können. Auch eine Menge Neues wird sich entdecken lassen, da die Autoren aus einem beachtlichen Fundus von selbst entwickelten und vielfach erprobten Übungen schöpfen, angereichert unter anderem durch Techniken aus dem systemischen Ansatz, dem NLP und der Organisationsentwicklung. Alles wird kurz, prägnant und übersichtlich dargestellt. Sicher kein Buch für "Anfänger", aber für "Profis" ein Nachschlagwerk zum Nachschauen, zum Ideen entwickeln und zum Wiederentdecken.

Ingrid Walther


"Was ist gute Supervision?". Heidi Möller. Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2001
 

Schon der goscherte Buchtitel spricht an; der Schreibstil von Heidi Möller noch mehr; und wenn man merkt, dass sich hier jemand nicht nur im Rahmen eines einzigen Supervisionsverständnisses bewegt, dann steigt die Lesefreude noch weiter an. Weitere Vorteile dieses Buches: Wer sich bisher noch wenig mit Forschung beschäftigt hat (und das gilt - seien wir ehrlich - für die meisten SupervisorInnen), wird hier wie nebenbei eine kleine Einführung in Forschungsfragen finden. Spannende Protokolle von klinischen Teamsupervisionen werden reflektiert. Das "Selbstkonfrontationsinterview" als Forschungsmethode wird in seinen Stärken und Schwächen plausibel nachvollziehbar. Es ist bei uns noch kaum bekannt. Wer nicht aus der psychoanalytischen oder integrativen "Schule" kommt, findet eine leicht lesbare Zusammenfassung wichtiger Grundlagen und Beiträge aus diesen Richtungen. Und zuletzt wird tatsächlich der Versuch gewagt, aus diesem Forschungsprojekt "Merkmale exzellenter Supervision im stationären Setting" abzuleiten. Manchmal fühlt man sich eingeladen zu widersprechen; aber auch das macht das Buch reizvoll. Trotz seiner leichten Lesbarkeit ist das Buch weniger für Anfänger bzw. AusbildungskandidatInnen geeignet. Es setzt viel Grundlegendes für die konkrete Arbeit als SupervisorIn voraus. Für Erfahrene ist es eine reiche Quelle an erfrischenden Infragestellungen und Anregungen zum über sich hinaus Denken.

Rene Reichel


"Konfliktcoaching: Anleitung für den Coach". Astrid Schreyögg. Campus Verlag
 

Konflikt als zentraler Fokus des Buches erweist sich durchaus als fruchtbar, geht es doch bei der Unterstützung von Führungskräften durch Coaching oft um die Bewältigung von Konflikten, um Konfliktprophylaxe oder - und auch das kann für Organisationen hilfreich sein - um die "Stimulierung" von Konflikten. Im ersten Teil des Buches referiert Schreyögg auf über 130 Seiten Modelle zu den Themen Coaching, Konfliktmanifestationen, -ursachen, und -diagnosen. Im zweiten Teil des Buches untersucht sie "Coaching bei speziellen Konfliktkonstellationen". Sie bietet uns dafür im vierten Kapitel eine Typologie von Organisationen an: 1. Behörden, 2. Wirtschaftsbetriebe und 3. soziale Dienstleistungssysteme und deren jeweilige Organisationsmuster, Anforderungen an Führungskräfte und Empfehlungen für den/die Coach. Im Weiteren beschreibt Schreyögg auf der Grundlage ihrer eigenen beruflichen Erfahrung spezielle Coachinganlässe: Konflikte in Familienunternehmen, Führungskräfte zwischen Haupt- und Ehrenamt, Führungskräfte in "charismatischen Konstellationen" und Konfliktcoaching für neu ernannte Führungskräfte. Im letzten Kapitel geht es um das Coaching von weiblichen und männlichen Führungskräften in weiblich dominierten, männlich dominierten oder geschlechtsgemischten Kontexten. Das Kapitel endet mit originellen Ausführungen über die unterschiedlichen Varianten von "Liebe am Arbeitsplatz". Das Buch ist kein Methodenbuch. Neben illustrierenden Fallbeispielen referiert Schreyögg eine große Fülle an AutorInnen und Modellen. Die große Zahl und die daraus resultierende Knappheit lässt manche Darstellung etwas blass und reduziert wirken und erleichtert nicht die Verständlichkeit. Das Buch bietet Anregungen zum Nachdenken über aktuelle Fälle und Coachingfelder und kann helfen, die eigenen Modelle und Metamodelle über Führung, Konflikte und Organisationstypen zu schärfen und weiterzuentwickeln.

Wolfgang Gaiswinkler, Marianne Roessler


"Die Zukunft der Supervision - die Zukunft der Arbeit". Kurt Buchinger. ISBN 3 - 89670 - 110 - x
 

Der Autor beschreibt in seinem Buch zunächst die veränderten und neuen Arbeitswelten. Wir haben es heutzutage, seiner Meinung nach, nicht mehr mit einer einzig gültigen Wahrheit zu tun, sondern mit vielen Wahrheiten. Es ist also wesentlich, im Sinne individueller Wahrheiten entscheiden zu können. Um solche Entscheidungen fällen zu können, bedarf es der Fähigkeit der Eigenreflexion. Weiters meint Buchinger, dass sich hinsichtlich "Arbeit" bzw. "Geld" ein Wertewandel vollzieht - geschichtlich, religiös, ideologisch. Dies belegt er durch historische Vergleiche (z.B. Galilei, Descarte, Marx, Hannah Arendt). Welche Auswirkungen hat dies alles für die Supervision? Kann man von Supervision als eigenständiger Profession sprechen oder handelt es sich um eine Funktion? Wie stellt sich das Verhältnis von Supervision zur Organisationsentwicklung dar? Wie ist die Rolle der DGSV in dieser Auseinandersetzung zu bewerten? Ein Buch, das interessante Fragen zu einer neu gestalteten Arbeitswelt aufwirft, und diese Fragen zu beantworten versucht. Es lädt zur Diskussion ein und enthält historisch philosophische Aspekte , mit denen man sich im Alltag vielleicht (zu) wenig befasst. Ein Buch für SupervisorInnen, die Vorwissen mitbringen und sich gerne theoretisch auseinandersetzen. Kein Buch für jemanden, der sich praktische Anregungen oder Tipps erwartet ; nicht einfach "nur zum Drüberstreuen" zu lesen. Kein Buch für "KonsumentInnen" von Supervision, außer sie mögen sich auch gern theoretisch befassen.

Madeleine Castka


"Grundregeln der Supervision. Ein Lehr- und Praxisbuch". Colin Feltham / Windy Dryden. Beltz Verlag
 

In der Edition Sozial des Beltz-Verlags ist die deutsche Übersetzung von dem 1994 von Feltham und Dryden herausgebrachtem Buch "Developing Counsellor Supervision" erschienen. In 30 programmatischen Kapiteln werden zentrale Fragen des Supervisionsprozesses praxisnah erläutert. Dabei werden gelungene und misslungene Interventionen gegenübergestellt und veranschaulichen so deutlich die Intentionen der Autoren. Jedes Kapitel endet mit einem Merksatz als Quintessenz. Vom Kontrakt, über Methoden und Supervisionsbeziehung bis zu ethischen Richtlinien spannen sich die inhaltlichen Fragestellungen. Dabei haben die Autoren nicht eine theoretische Verortung der Supervision, sondern die Fragen einer/s SupervisorIn im Fokus. Besonders erst am Anfang ihrer Supervisionskarriere - Stehende werden in diesem Lehr- und Praxisbuch Informationen, Bestärkung und Anregungen finden. Aber auch für arrivierte KollegInnen bietet dieser Band Interessantes: Neben den praktischen Hinweisen im Hauptteil sind im Anhang, der knapp dreißig Seiten umfasst, die BAC (British Association for Counselling) Ethik Richtlinien und die Anerkennungskriterien, Supervisions-kompetenzen, Therapeutenziele und Klientenpräsentation anschaulich dargestellt.

Wolfgang Knopf


"Psychoanalytisch orientierte Supervision. Auf dem Weg zu einer Profession". Kornelia Steinhardt. Psychosozial-Verlag Gießen. Reihe: Psychoanalytische Pädagogik, Band 19.
 

Kornelia Steinhardt hat für alle, die an einer an der Psychoanalyse orientierten Supervision interessiert sind, ein lesenswertes Buch vorgelegt.
Erstmals geschieht durch die historische Aufarbeitung die Zusammenführung der beiden Wurzeln "social case work in den USA zu Beginn des 20. Jh." und "Anwendung psychoanalytischer Erkenntnisse in der Fallbearbeitung im Wien der Zwischenkriegszeit" in die neueren Entwicklungen der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Diese Aufarbeitung ist neu, einzigartig und erhellend. Dabei wird die konzeptuelle Entwicklung psychoanalytisch orientierter Supervision nachgezeichnet und zwei paradigmatische Wenden in der Supervisionsentwicklung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts festgestellt, welche die Supervision, wie wir sie heute verstehen, entscheidend prägten: 1. Die Einbeziehung der Dynamik der Gruppe für das Verstehen des Falles sowie 2. die Einbeziehung der Organisationsdynamik.
Auf der Grundlage dieses Supervisionsverständnisses untersucht Steinhardt, ob psychoanalytisch orientierte Supervision als professionelle Identität verstanden werden kann. Neben den historischen und theoretischen Überlegungen wird auch eine Untersuchung aus Österreich vorgestellt. In ihr wird verglichen, ob psychoanalytisch orientierte SupervisorInnen in der ÖVS sich von jenen psychoanalytisch orientierten SupervisorInnen im ÖBVP (Österreichischer Berufsverband für Psychotherapie) in der Gestaltung ihrer supervisorischen Praxis im Bezug auf den in der Literatur beschriebenen "state of art" unterscheiden. Dabei zeigt sich, dass SupervisorInnen im ÖBVP ihre supervisorische Praxis stark am psychotherapeutischen Setting orientieren, ihre berufliche Identität weniger supervisorisch als psychotherapeutisch ist.
Anders hingegen die SupervisorInnen in der ÖVS: Sie sind stärker supervisorisch orientiert - und dies auch dann, wenn sie nicht nur SupervisorInnen, sondern auch PsychotherapeutInnen sind. Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die Entwicklungsgeschichte von Supervision aus psychoanalytischer Perspektive, ohne dabei dogmatisch zu sein. Die empirische Untersuchung bietet ausreichend Anhaltspunkte, um Fragen der professionellen Identität zu diskutieren.

Wolfgang Knopf