Österreichische Vereinigung für Supervision
Die ÖVS

Sterblich sein (being mortal)

Sterblich sein, Was am Ende wirklich zählt. Über Würde, Autonomie und eine angemessene medizinische Versorgung; Atul Gawande; S. Fischer Verlag, 2015; 336 Seiten; € 19,99

„Zur Bewohnerschaft des Pflegeheimes gehörten damals hundert Wellensittiche, zwei Hunde, zwei Katzen, mehrere Kaninchen und Hühner, die Eier legten.“ Die Auswirkungen des Experiments waren: die Medikamentenverschreibung reduziert sich um die Hälfte, die Sterblichkeitsrate sinkt um 15 Prozent.

Was brauchen die Menschen, wenn es ans Sterben geht? Dieser Frage geht Atul Gawande, Chirurg, nach und schildert die Entwicklungen von Armenhäusern zu Pflegeheimen und moderner Medizin. Er beschreibt anschaulich wie Scheu und Angst vor Sterben und Tod an die Medizin delegiert wurden und dort mit Operationen und Medikamenten bekämpft werden. Dr. Gawande stellt Initiativen von Pflegeeinrichtungen in den USA vor, die wirksame Gegenmaßnahmen gegen die drei Plagen Einsamkeit, Langeweile und Hilflosigkeit gefunden haben. Er zeigt an individuellen Krankheitsverläufen auf, welche Möglichkeiten gefunden werden können, wenn es Ärzten und Angehörigen möglich ist, die richtigen Fragen an alte, kranke und gebrechliche Menschen zu stellen, wie: Was ist Ihnen wichtig, was ist bedeutsam für Sie? Das Ziel ist, gemeinsam über „Würde, Autonomie und eine angemessene medizinische Versorgung“ am Ende nachzudenken. Wir brauchen Medizin und Lebensqualität, dieses Buch ist eine anregende Auseinandersetzung damit und geeignet für alle die in und mit Gesundheitsund Pflegeberufen arbeiten und alle anderen Sterblichen.

Margot Scherl und Sonja Wohlatz (News 2/2017)